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Fabrikbesichtigung mit Kopfhörer
Wir erhalten Kopfhörer und werden dann in einer kleinen Gruppe in die Fabrik geführt. Dazu müssen wir raus in den Regen und ein Stück dem Gebäude entlanglaufen bis zum ursprünglichen Eingang. Die Tourleiterin erzählt kurz, wie der erfolgreiche Traktorhersteller Ferruccio Lamborghini mit der Kupplung seines Ferraris 250 GT nicht zufrieden war, weil sie häufig kaputt ging. Enzo Ferrari habe ihm daraufhin gesagt, er solle besser weiterhin Traktoren fahren. Es könne halt nicht jeder einen Sportwagen bedienen. Daraufhin entschied sich Ferruccio, selbst bessere und verlässlichere Autos zu bauen als Ferrari.

Dann betreten wir die Fabrikhalle und befinden uns gleich mitten in der Huracán-Produktionslinie. An 13 Stationen entstehen hier jeden Tag 13 Lamborghinis. Ein Roboter (übrigens der einzige, wie die Mitarbeiterin betont) zieht ein Chassis mit einer bereits lackierten Rohkarosserie zur ersten Station. Im 35-Minuten-Takt werden Karosserie-Teile, Scheiben, Sitze, Armaturenbrett, Motor, Räder und alle übrigen Bestandteile rein von Hand montiert. Grosse Bildschirme mit einem Countdown zeigen an, wie lange es noch bis zum nächsten Stationswechsel dauert. Alle Lamborghinis werden nur auf Bestellung gebaut. Hier entstehen quer durcheinander Huracáns in verschiedenen Farben, mit und ohne Dach, auch mal mit dem Steuerrad auf der rechten Seite für Japan oder England, und sogar eine GT3-Rennversion ist gerade dabei.
In einer zweiten Produktionslinie entsteht der Lamborghini Aventador. Hier gibt es nur sechs Stationen, an denen jeweils 75 Minuten lang gebaut wird, wobei jeden Tag sechs Autos fertig werden. Dementsprechend lange ist die Wartezeit. Wer heute einen Aventador bestellt, erhält ihn frühestens ein Jahr später, während ein Huracán-Käufer nur 6-7 Monate warten muss. Wir kommen gerade zur richtigen Zeit, um die «Hochzeit» mitzuerleben: den Einbau des Motors in das Auto. Der ist etwa 400 kg schwer und wirklich riesig – ein 12-Zylinder-Motor halt. Nur bei Lamborghinis mit 12 Zylindern gibt es übrigens die berühmten Scherentüren, die sich nach oben öffnen. Beim Huracán mit «nur» 10 Zylindern gehen die Türen konventionell auf… was ich ein wenig enttäuschend finde.

An beiden Produktionslinien wird nach der Schlusskontrolle der Motor gestartet. Ein Testfahrer fährt den Lamborghini in eine Kabine, in der die Motorleistung und die Bremsen geprüft werden. Danach wird jeder Lamborghini auf den Strassen von Sant’Agata Bolognese probegefahren. Bei jedem Wetter, wie die Tourleiterin versichert. Ob es die beste Idee ist, jetzt bei Schneeregen einen zum Beispiel für Kalifornien bestimmten Lamborghini mit Sommerreifen zu testen?
In weiteren Teilen der Fabrik entstehen die riesigen Motoren und werden die Sitze, das Armaturenbrett und die Innenverkleidungen aus dem besten Leder genäht, bei dem aus zahlreichen Farben ausgewählt werden kann. Interessant, wie gerade ein Mitarbeiter eine grosse Lederhaut kontrolliert und kleine Stellen mit Fehlern markiert, an denen das Tier vielleicht mal von einer grossen Mücke gestochen wurde oder eine Narbe hat. Diese Fehler werden dann beim Ausschneiden ausgespart. Lamborghini ist stolz darauf, dass alles mit Ausnahme der Lackierung hier vor Ort von eigenen Mitarbeitern hergestellt wird. Und, dass sich die Fabrik immer noch am selben Standort befindet wie bei der Firmengründung im Jahr 1963, vor 55 Jahren.
Neben dieser Fabrik entsteht gerade eine weitere Fertigungshalle, in der ab diesem Jahr jährlich 1’000 Lamborghini Urus gebaut werden sollen.
Leider war in der Fabrik das Fotografieren nicht erlaubt.
Kleines, aber feines Lamborghini-Museum
Nach ungefähr 45 Minuten sind wir zurück aus der Fabrik und stehen wieder im Lamborghini-Museum, in dem viele Fahrzeuge – wenn auch nicht alle, und nicht alle Versionen – zu sehen sind. Die ausgestellten Fahrzeuge wechseln regelmässig.
Im Erdgeschoss begrüsst uns dieser wunderschöne Lamborghini Miura mit seinen auffälligen Augenbrauen.

Daneben stehen ein roter Lamborghini 350 GT, ein goldener Lamborghini Diablo (nach dem Facelift, nicht mehr mit den Klappscheinwerfern), ein grauer Lamborghini Espada und ein oranger Lamborghini Murciélago – eine illustre 12-Zylinder-Runde.



Als Meisterwerk besonders hervorgehoben wird ein grüner Lamborghini Countach in seiner ersten, reinen Form. Die riesige, flache Windschutzscheibe und die ungewöhnliche Form der hinteren Kotflügel fallen hier besonders gut auf. Mir persönlich gefällt der Countach in der späteren LP500S-Version am besten, mit Kotflügelverbreiterungen, Frontspoilerlippe und dem riesigen Heckflügel.

Hinter der Wendeltreppe in den oberen Stock stehen ein «normaler» Lamborghini Huracán und eine Rennversion.

Über die Wendeltreppe geht’s nach oben in den ersten Stock und zu weiteren spannenden Modellen.


Der Lamborghini Centenario wurde 2016 zum 100. Geburtstag von Lamborghini-Gründer Ferruccio Lamborghini gebaut – in nur 20 Exemplaren als Coupé und 20 als Roadster ohne Dach. Zu beiden Versionen gibt es einen zusätzlichen Prototyp. Hier steht der Roadster-Prototyp, während wir das Coupé-Pendant am Auto-Salon in Genf gesehen hatten.



Gleich daneben steht der Lamborghini Veneno, ein weiteres Sondermodell, dieses zum 50-Jahr-Jubiläum der Automarke Lamborghini, von dem (neben diesem) nur drei Modelle gebaut wurden (und neun als Roadster). Wie der Centenario basiert auch er auf dem Aventador-Chassis.


Daneben steht ein Concept Car aus dem Jahr 2014, der Lamborghini Asterion, der als Hybrid auch einen Elektromotor enthielt. Obwohl er nie in Serienproduktion ging, sind einige seiner Elemente in neueren Modellen zu finden, zum Beispiel der Rücklicht-Streifen im Veneno und im Centenario oder – so habe ich zumindest das Gefühl – einige Formfaktoren der Frontpartie im Urus.


Das nächste Modell in der Reihe ist der Lamborghini Sesto Elemento, eine weitere Kleinstserie von nur 20 Exemplaren auf Basis des Lamborghini Gallardo, der nicht strassentauglich ist und nur auf der Rennstrecke gefahren werden darf. Der liegt so tief auf der Strasse, dass das nicht weiter verwundert.



Als letzter in dieser illustren Reihe steht das Konzept von 2006 für eine Neuauflage des Miura im Retro-Look – und das recht gelungen. Schade, dass daraus nichts wurde. Lamborghini blicke immer nur in die Zukunft, nie zurück, erklärt die Museumsmitarbeiterin den Grund.


Weiter drüben stehen ein weisser Lamborghini Silhouette und ein gelber Lamborghini Jalpa aus den späteren 70er- bzw. frühen 80er-Jahren.

Dann folgt ein weisser Lamborghini Huracán mit goldenen Akzenten und der Original-Unterschrift von Papst Franziskus, der darauf wartet, am 12. Mai 2018 für wohltätige Zwecke versteigert zu werden.

Daneben steht der erste Anlauf von Lamborghini, einen Geländewagen zu bauen, den Cheetah, gedacht für die US-Armee. Diese kaufte dann aber doch den Humvee/Hummer, der vom Cheetah inspiriert war und eine sehr ähnliche Form aufweist.


Aber der richtige Geländewagen, der Lamborghini LM002, basiert auf dem Cheetah. Immerhin gut 300 Stück davon wurden gebaut.

Weit mehr Exemplare will Lamborghini mit seinem SUV Urus verkaufen, dessen Vorführmodell hier steht – und ein richtiges Modell steht unten auf dem Parkplatz. Die Produktion beginnt erst dieses Jahr.



Tipps für den Besuch
Die Fabrikbesichtigung und das Lamborghini-Museum haben uns sehr gut gefallen. Aber leider gibt es keinen Shop, um T-Shirts, Modellautos, Bücher, Poster oder überhaupt irgendetwas rund um Lamborghini zu kaufen. Eine verpasste Gelegenheit und wirklich schade für Fans.
Und auch nach einem Restaurant fragen wir den freundlichen Herrn vergeblich, der bei unserer Ankunft bei Lamborghini an diesem Regentag mit einem grossen Schirm hergeeilt kommen. Aber nicht, um uns im Trockenen zum Eingang zu geleiten, sondern um uns wegzujagen. Ein Restaurant und die Besucherparkplätze gäbe es «irgendwo dort drüben in der Industriezone».
Ich empfehle also, vor dem Lamborghini-Besuch in einem Restaurant in Bologna etwas zu essen oder ein Sandwich mitzunehmen. Ansonsten gibt es der Nähe nur das Ristorante Da Taiadela, in dem viele Fabrikarbeiter essen, und die Bull Bar schräg gegenüber der Lamborghini-Zufahrt für Snacks und Sandwiches. Sowieso überrascht, dass die abgelegene Industriezone nicht besser auf Lamborghini-Fans ausgerichtet ist. Und auch das nahe Städtchen Sant’Agata Bolognese und die ganze Gegend konnten scheinbar nicht am Erfolg von Lamborghini teilhaben.
Die Fabrikbesichtigung wird auf Englisch und Italienisch angeboten und kostet rund 100 Franken (75 Euro) pro Person. Fotoapparate, Smartphones mit Kamera und Taschen dürfen nicht mitgenommen werden. Für sie stehen kostenlose Schliessfächer (inklusive Lademöglichkeit für Smartphones – Kabel mitnehmen) zur Verfügung. Für die Fabrikbesichtigung ist eine Voranmeldung erforderlich, die unbedingt ein paar Wochen im Voraus getätigt werden soll. Dasselbe gilt für eine Führung durch das Museum. Informationen zum Besuch und verfügbare Termine sind hier ersichtlich: lamborghini.com
In der Fabrikbesichtigung (von Montag bis Freitag, mit Ausnahmen) ist der Museumsbesuch ohne Führung enthalten. Das Museum kann auch separat besucht werden. Führungen durch das Museum werden nur am Samstag und Sonntag angeboten.
Die Lamborghini-Fabrik und das Museum an der Via Modena 12 in Sant’Agata Bolognese sind in viereinhalb Stunden ab Luzern erreichbar. Rechnet ein paar Minuten mehr ein für die Parkplatzsuche und den Spaziergang zum Eingang.

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]]>Das kreisrunde Gebäude mit seinen grossen Fenstern fällt schon von weitem auf. Mit seinem Durchmesser von 50 Metern steht es ziemlich imposant da.

Von innen sieht es ein wenig aus, als sei ein UFO gelandet.

Forum für Oldtimer-Besitzer und -Interessierte
Das «Forum für Oldtimer-Besitzer und -Interessierte» wurde vor bald 10 Jahren eröffnet. Es ist eine Kombination von Garage und Autowerkstatt mit einem Museum, wobei alle drei Bereich sehr eng miteinander verbunden sind. Der Basler Unternehmer Stephan Musfeld gründete es als Kompetenzzentrum für Oldtimer, das bisher in der Schweiz fehlte. Oldtimer-Besitzer können hier ihr Fahrzeug hegen und pflegen und sich dabei mit Gleichgesinnten austauschen.
Und sie können ihren Oldtimer dann auch gleich im Museum parkieren und ihn ausstellen, solange sie ihn nicht fahren. So überrascht es nicht, dass viele Ausstellungsstücke eine gültige Autonummer haben – und auch nicht, dass einige Plätze leer sind. Diese Autos sind also gerade mit ihren Besitzern unterwegs oder befinden sich zur Wartung im Werkstatt-Teil des Pantheon. Dieser ständige Wechsel der Ausstellung sorgt dafür, dass bei jedem Besuch wieder andere Fahrzeuge zu bestaunen sind.
Technik, die begeistert
Der Museumsbesuch startet im Erdgeschoss, wo schon viele wunderschöne Stücke zu bewundern sind, wie zum Beispiel ein schneeweisser Rolls Royce Silver Wraith mit Baujahr 1949. Der steht übrigens zum Verkauf – frisch ab MFK. Oder auch frühe Rennwagen aus der Zeit, als sie aus einer stromlinienförmigen Karosserie mit riesigem Motor, grossen Scheinwerfern, Rädern mit nur einem Minimum an Schutzblechen und winzigen Scheiben vor Fahrer und Beifahrer bestanden, die mit Fahrerbrille und Lederhelm den Elementen trotzten.

Begeistert bin ich aber auch von den Technik-Teilen, die in der Mitte des Raums im Kreis stehen. Hier sieht man noch genau, wie was funktioniert. Ich erkläre meinem Göttibub und seinem Bruder, mit denen wir das Museum besuchen, anhand dieser Stücke, wie ein Getriebe, Bremsen, das Differenzial und die Lenkung funktionieren, und was die Aufgabe der Nockenwelle ist. Sie sind genauso Auto-begeistert wie ich und finden das sehr spannend.

Von ganz alt bis fast neu
Richtig interessant wird es dann weiter oben. Eine Rampe windet sich spiralförmig immer weiter nach oben bis unter die Decke. Hier befinden sich die meisten der Oldtimer. Die beginnen ganz sympathisch mit einem VW Käfer, einem Citroën Deux-Chevaux («Döschwo») und ein paar Fiat 500.

Weiter oben wird’s dann richtig alt: Hier steht einer der wenigen Nachbildungen des ersten Autos überhaupt, dem dreirädrigen Patent-Motorwagen Nummer 1 von Carl Benz aus dem Jahr 1886. Das Original konnte ich bereits im Deutschen Museum in München bewundern.

Etwas ganz Besonderes ist der Bugatti 57SC in der Version «Atlantic» von 1938 mit extrem windschlüpfriger Karosserie, von der nur eine handvoll Exemplare gebaut wurden.


Unter den eher neueren Wagen befindet sich unter anderem eine tolle AC Cobra, James Bonds Aston Martin DB5, oder auch eine gelb-weisse BMW Isetta und ein froschgrüner Messerschmitt Kabinenroller. Ganz schön schnittig ist auch der rote Alfa Romeo Montreal.




Sonderausstellung Maserati
Ganz oben in der Spirale befindet sich jeweils eine wechselnde Sonderausstellung. Bis am 15. April 2018 ist dies die Sonderausstellung Maserati mit 30 Fahrzeugen aus allen Epochen des Automobilbaus. Prunkstück der Sonderausstellung – und das einzige Auto hier mit einem Baujahr nach 2000 – ist der Maserati MC12 GT1, ein Rennwagen aus dem Jahr 2005, der dem Schweizer Rennfahrer Fredy Lienhard gehört.



Spannender Shop zum Stöbern
Vor dem Gehen stöbern wir noch ein wenig im Shop, und der hat es wirklich in sich! Neben passenden Jacken und Kopfbekleidungen für die Fahrt im Oldtimer und spannenden Einzelstücken gibt es Aufkleber und Aufnäher mit diversen Automarken und eine grosse Auswahl an Büchern. Darunter befindet sich zum Beispiel ein schon lange vergriffenes Buch über den Schweizer Auto-Designer Franco Sbarro, wobei niemand so genau sagen konnte, ob es neben dem Ansichtsexemplar noch weitere Exemplare zum Kaufen gibt. Es lohnt sich, alles genau durchzusehen.


Zur Planung des Besuchs im Pantheon
Das Pantheon Basel ist absolut sehenswert! Es befindet sich in Muttenz, in der Nähe der Autobahnausfahrt Basel-St. Jakob bzw. Muttenz-Nord. Parkplätze sind vorhanden. Das Museum hat jeden Tag ab 10 Uhr geöffnet; werktags bis 17.30 Uhr und am Wochenende bis 16.30 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Franken für Erwachsene, Kinder ab 6 Jahren zahlen 7 Franken, jüngere Kinder sind in Begleitung Erwachsener gratis.
Weitere Informationen sind auf der Webseite des Pantheon Basel zu finden.
Viele Fotos aus der Autowerkstatt sind auf der Facebook-Seite des Pantheon Basel zu sehen.
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]]>Peter Monteverdi
Peter Monteverdi wurde vor gut 80 Jahren in eine Auto-Welt hinein geboren. Sein Vater besass eine kleine Auto- und Lastwagen-Werkstatt in Binningen im Kanton Basel-Landschaft und es war nicht verwunderlich, dass die Freude an Autos auf Peter übersprang. Nach der Schule und einem Praktikum in der Schweizer Traktorenfabrik Vevey begann er eine Automechaniker-Lehre bei der Lastwagenfirma Saurer in Arbon. Und baute mit 17 Jahren sein erstes Auto, den Monteverdi Special, aus einem Unfallfahrzeug, mit selbstgebautem Chassis und Karosserie.

Als Peter 22 Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Er übernimmt die Werkstatt und spezialisiert sich auf Sportwagen – mit grossem Erfolg. Die Werkstatt wird zur offiziellen Vertretung für Ferrari, Lancia, Bentley, Jensen und weitere Marken. Parallel dazu fährt Peter Monteverdi Rennen und beginnt mit der Konstruktion und dem Bau von Rennwagen; zuerst für die Formel Junior und später auch für die Formel 1. Unter der Bezeichnung „MBM Automobile“ (Monteverdi Binningen Motors; das zweite M stand zuerst für die Motorenlieferanten Mantzel bzw. Mitter) entstanden rund 20 Rennwagen. Nach einem Unfall im Formel-1-Wagen gab er das Rennfahren auf. Aber tüftelte weiter an eigenen Autos.
High Speed 375
Nachdem Peter Monteverdi nach einem Streit mit Enzo Ferrari die Ferrari-Vertretung verloren hatte, beschloss er, eigene Autos herzustellen. Im Herbst 1967 stellte „Automobile Monteverdi“ sich und den „High Speed 375“ vor – und stiess auf grosses Interesse. Das zeitlos schöne Sportcoupé wurde während den nächsten neun Jahren in verschiedenen Varianten verkauft. Es besteht aus einem von Peter Monteverdi entworfenen Chassis mit einem Kastenrahmen aus Vierkantrohren, einem Chrysler-Achtzylinder-Motor mit 375 PS Leistung (daher der Name) und einer eleganten italienischen Karosserie. Diese wurde zuerst von Frua und später von Fissore in Italien gebaut und auf das nach Italien spedierte Chassis mit Motor montiert.
Das zweisitzige Coupé 375 S wurde bald um eine verlängerte Version 375 L mit vier Sitzplätzen (2+2-Coupé), ein Cabrio 375 C und eine viertürige Limousine 375/4 ergänzt. Auch der Monteverdi Berlinetta und die Cabrio-Version Palm Beach gehören zur High Speed-Reihe.

Monteverdi High Speed 375 L

Monteverdi High Speed 375/4

Monteverdi Berlinetta

Monteverdi Palm Beach
Hai 450
Der aufsehenerregende Hai 450 – ein Oberklasse-Sportwagen mit Klappscheinwerfern – wurde 1970 präsentiert. Es erwies sich jedoch nicht als serienreif. Der grosse Mittelmotor passte nicht wirklich in das kleine Auto. Er musste weit oben eingebaut werden, was zu einem zu hohen Schwerpunkt führte, und ragte weit in den Fahrgastraum hinein. Daneben war die gebückte Sitzposition sehr unbequem.
Der überarbeitete Hai 450 GTS mit einem um 50 cm verlängerten Radstand hatte diese Probleme überwunden. Der Hai diente eher als Blickfang und zur Erhöhung des Bekanntheitsgrads der Marke Monteverdi. Mit kleinen Umbauten und Umlackierungen sollte eine leider nicht zustande gekommene Serienproduktion vorgetäuscht werden. Es blieb beim Original, einem verkauften Exemplar und je einem Nachbau (Werksreplik) der Modelle SS und GTS.

Monteverdi Hai 450 SS Werksreplik mit verlängertem Radstand

Monteverdi Hai 450 GTS
Die Geländewagen Safari und Sahara
Zur Zeit der Ölkrise sank die Nachfrage nach den durstigen Sportwagen. Monteverdi stellte seine Produktion um, um ab 1976 luxuriös ausgestattete Geländewagen herzustellen. Dabei setzte er auf das Chassis und die Antriebstechnik eines bereits existierenden Serienwagens, des International Scout II. Dank dieser Vorgehensweise konnten die Entwicklungskosten tief gehalten und die Alltagstauglichkeit sichergestellt werden. Dabei entstanden der weniger erfolgreiche Sahara mit der beinahe unveränderten Karosserie des Scout und der Safari mit einem eigenen Design. Der Safari entwickelte sich zum erfolgreichsten Monteverdi-Modell mit einer Produktionszahl im vierstelligen Bereich und vielen Verkäufen in den Nahen und Mittleren Osten.

Monteverdi Safari

Monteverdi Sahara
Daneben entwickelte und baute Monteverdi eine viertürige Version des Range Rover, die für weitere Einnahmen durch Lizenzzahlungen sorgte, auch als Range Rover die Produktion selbst übernahm.
Sierra und Tiara
Die High Speed-Reihe wurde 1977 vom Monteverdi Sierra und später vom Monteverdi Tiara abgelöst. Sie waren kleiner und leichter als der High Speed. Wie bereits die Geländewagen basierten auch sie auf fremden Serienfahrzeugen; Basisfahrzeug des Sierra war eine Limousine der Chrysler F-Plattform, dasjenige des Tiara ein Mercedes-Benz S-Klasse. Diese wurden mit einer neuen Front- und Heckpartie (praktisch identisch beim Sierra und Tiara) und einer luxuriösen Innenausstattung wie Klimaanlage, Fernseher oder Diktiergerät versehen, ansonsten entsprachen die Fahrzeuge aber vollständig dem Basisfahrzeug.
Vom Sierra wurden höchstens 50 Exemplare hergestellt, vom Tiara lediglich eine Handvoll. Ihre Produktion wurde endgültig eingestellt, als die Spenderfahrzeuge nicht mehr verfügbar waren. Monteverdi verkaufte den Namen „Sierra“ an Ford, was sich als Glücksgriff erwies: Er soll dafür fünf Franken für jeden hergestellten Ford Sierra erhalten haben – schlussendlich also über 13 Millionen Franken.

Monteverdi Tiara
Das Monteverdi-Museum in Binnigen
Nach dem Tiara stellte Monteverdi die Fahrzeugproduktion ein. Die vielen Vorschriften in den verschiedenen Ländern wie Abgasnormen oder Crash-Tests standen der Produktion von Kleinserien immer mehr entgegen. Das Werk in Binningen mit seiner grossen Tiefgarage wurde zum Museum umgebaut, das 1985 als Monteverdi Car Collection eröffnete. Neben Monteverdi-Fahrzeugen stellte Peter Monteverdi hier während rund zehn Jahren auch Sportwagen aus seiner Autosammlung aus – ich kann mich noch gut an all die wunderschönen Ferraris, Lamborghinis und weiteren Autos erinnern, die mittlerweile verkauft sind.
Das Museum wird heute noch liebevoll von Peter Monteverdis langjährigem Lebensgefährten Paul Berger betrieben, der mit seinem Wissen der einzelnen Fahrzeuge begeistert. Das Museum ist nur noch für Gruppen nach Voranmeldung geöffnet. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.
Update: Leider ist das Monteverdi Museum seit Anfang Dezember 2016 geschlossen. Einige der Fahrzeuge werden ab Mitte April 2017 im Verkehrshaus Luzern zu sehen sein.


Hai 650 F1
Im Jahr 1990 startete Peter Monteverdi einen weiteren Ausflug in die Formel 1: Zusammen mit einem Unternehmer kaufte er das Formel-1-Team Onyx. Es gelang ihnen jedoch kaum, Sponsoren zu finden und gute Resultate zu erzielen. Der Fahrer – der Sohn des Unternehmers – erreichte das Ziel nur zwei Mal auf den Rängen 12 und 15. Nach zehn Rennen trat Monteverdi-Onyx aus finanziellen Gründen nicht mehr an.
Immerhin konnte Peter Monteverdi von seinen neuen Erfahrungen in der Formel 1 profitieren und baute darauf aufbauend und mit vielen Komponenten aus dem Formel-1-Boliden nochmals einen Sportwagen: Der Hai 650 F1 ist ein indirekter Nachfolger des Hai 450. Er präsentierte ihn 1992 am Autosalon Genf, wo ich ihn noch selbst gesehen hatte. Der zweisitzige Supersportwagen mit einem Achtzylinder-Motor von Cosworth mit 650 PS beschleunigt in 8 Sekunden von 0-200 km/h und weiter bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h. Mit diesem ultimativen Supersportwagen wollte Peter Monteverdi wieder als Autobauer Fuss fassen.
Das Fahrzeug war in Europa nicht für den Strassenverkehr zugelassen. Gebaut wurden zwei rote Exemplare sowie ein blau-violettes Ausstellungsmodell ohne Motor.


Ein Comeback 2017?
1998 stirbt Peter Monteverdi mit nur 64 Jahren an Krebs. Seither hält Paul Berger die Erinnerungen an ihn aufrecht und trotz fehlender Unterstützung des Kantons das Museum in Schuss – und vielleicht sogar bald eine Überraschung bereit! Glaubt man den Gerüchten, tüftelt er an einem neuen Auto, das zum 50-Jahr-Jubiläum der Automarke Monteverdi 2017 am Autosalon in Genf vorgestellt werden soll. Ich bin gespannt und hoffe, dass das stimmt!
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oder http://ptrl.ch/mverdi

Das Beaulieu National Motor Museum (ausgesprochen wird’s: „Biuli“) in der Nähe von Southampton in Südengland ist wunderschön gelegen. Schon alleine die Fahrt durch den New Forest und durch das malerische Dorf Beaulieu mit seinen alten Häusern und der kleinen Brücke (unbedingt hier durchfahren!) sind den Ausflug wert. Auf dem riesengrossen Anwesen von Lord Montagu befinden sich neben dem Automuseum das Palasthaus der Montagu-Familie, die Überreste eines Klosters, ein grosser Garten, ein wirklich empfehlenswertes Restaurant… und eine Einschienenbahn. So eine braucht’s einfach.

Im Automuseum sind rund 250 Fahrzeuge aus allen Epochen der Automobilgeschichte ausgestellt, darunter ein Nachbau des ersten Automobils von Carl Benz, Formel-1-Rennwagen, Werbefahrzeuge wie eine fahrende Bierflasche oder eine Orange, Original-Filmfahrzeuge wie „Chitty Chitty Bang Bang“ und Mr. Beans gelber Mini, oder vier Raketenfahrzeuge, von denen jedes einen neuen Landgeschwindigkeitsrekord aufgestellt hatte.

Aber ich bin ja wegen der „World of Top Gear“ hier. Diese befindet sich in eher provisorisch anmutenden Nebengebäuden des eigentlichen Automuseums. In einer Videobotschaft begrüssen Jeremy, James und Richard die Besucher („wir hatten keinen Bock darauf, persönlich hier zu sein“) und zeigen die besten Szenen der Top Gear-Sendungen.

Die Top Gear-Konstruktionen sind alle mit einer Tafel versehen, die ein paar Hintergrundinformationen gibt und nennt, aus welcher Sendung sie stammen. Doch welches sind die verrücktesten Umbauten der drei? Die Schienen-Autos? Der Hovervan? Der zum Space Shuttle verwandelte Reliant Robin? Auch die riesige Ernte-Maschine, die zum Schneepflug mit Flammenwerfern und Kies-Schleuder umfunktioniert wurde, ist hier ausgestellt.

Der unzerstörbare Toyota Hillux steht zwischendurch auch hier. Er wurde im Meer versenkt, ein Wohnwagen fiel auf ihn, er wurde von einer Abrissbirne gerammt, in Brand gesteckt und stand auf dem Dach eines Hochhauses, das gesprengt wurde. Und er lief trotzdem noch immer!

Von den Wohnmobilen sind nur zwei hier ausgestellt. Jeremy Clarksons weisser Citroën mit mehrstöckigem Aufbau fiel am Ende der Sendung ja von einer Klippe.

Natürlich sind auch Fahrzeuge aus den Top Gear Specials hier zu sehen, beispielsweise Jeremys Jaguar mit Mehrfach-Auspuff vorne. Wie er da trotz all den Rohren noch immer die Strasse vor sich gesehen hat, ist mir ein Rätsel.

Doch das Top Gear-Team baut nicht nur Autos um, sondern hat auch ein eigenes, völlig revolutionäres Fahrzeug gebaut: den Hammerhead Eagle i-Thrust, ein Elektroauto mit Aluminium-Karrosserie und einem Dieselmotor, der die Batterien bei Bedarf auflädt.

Die Ausstellung wird bzw. wurde laufend ergänzt und beherbergt inzwischen auch beispielsweise die Ambulanz-Fahrzeuge der aktuellen Staffel.
Tickets kosten an der Tageskasse 24 Britische Pfund für einen Erwachsenen und bei Vorausbuchung im Internet 18 Pfund. Es gibt auch günstigere Kinder- und Familien-Tickets. Der Eintritt berechtigt zum Besuch des gesamten Geländes inklusive Automuseum, Kloster, Palasthaus und so viele Einschienenbahn-Fahrten wie man will. Unbedingt einen ganzen Tag für den Besuch einplanen.
Webseite: www.beaulieu.co.uk
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