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Bitte nicht nachmachen
In der neuen Kampagne der Polizei und der Beratungsstelle für Unfallverhütung springen Kinder an Springfedern aus dem Nichts durch eine Klappe im Fussgängerstreifen und hinter parkierten Autos hervor. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Kinder davon nicht inspirieren lassen.
Unsere Lokalzeitung hat mit Verweis auf die Unfallstatistiken bereits geschrieben: Nicht alle Schulkinder kommen lebend wieder nach Hause. Auch wenn es nicht ganz diese Worte waren: Das ist nicht das, was Eltern hören möchte – oder irgendwer. Sind die Werber hier vielleicht über ihr Ziel hinausgeschossen?
Oft fehlt die Verkehrskompetenz
Ich war als Kind oft mit meiner Mutter und meinen Schwestern zu Fuss unterwegs. Dabei hat meine Mutter uns alles Wichtige beigebracht, wie wir uns entlang von Strassen und beim Überqueren verhalten müssen. «Luege, lose, laufe» lautete der Leitspruch. Als wir dann später alleine auf dem Weg zur Schule waren, besassen wir bereits die nötige Kompetenz.
Fussgänger hatten früher am Fussgängerstreifen noch keinen Vortritt, und waren auch deshalb aufmerksamer als heutige Menschen, die mit starrem Blick auf ihren Handy-Bildschirm den Fussgängerstreifen betreten, ohne sich davor nach dem Verkehr umzuschauen. Und dieses Verhalten der Erwachsenen ahmen heutige Kinder – mangels anderer Vorbilder – nach. Heute ist ja auch kaum mehr jemand zu Fuss unterwegs. Eltern fahren mit den Kindern fast überallhin nur noch mit dem Auto oder im Velo-Anhänger. Und entweder kennen sie die Verkehrsregeln selbst nicht (siehe unten «Kenne Deine Strassen»), oder sie beachten sie einfach nicht. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso auch immer wieder Erwachsene mit Kinderwagen oder kleinen Kindern an der Hand direkt vor mein Auto laufen.

Die fehlende Verkehrserziehung gilt natürlich nicht für alle Eltern und alle Erwachsene, aber leider für eine erschreckend grosse Zahl. Diesen gilt dieser Aufruf: Geht mit den Kindern regelmässig zu Fuss und erklärt ihnen dabei, wann wer wieso Vortritt hat und wie sie die Strasse richtig überqueren. Wer das am ersten Schultag zum ersten Mal tut, trägt eine Mitschuld daran, wenn die Kinder sich später falsch verhalten.
Ewig warten?
Ein paar Wochen nach dem Schulbeginn sehe ich oft von weitem Kinder, die an einer Nebenstrasse am Fussgängerstreifen warten, und immer noch dort stehen, wenn ich eine halbe Minute später auf der Hauptstrasse vorbeifahre. Weil ihnen jemand, vermutlich der Dorfpolizist, beigebracht hat, dass sie warten müssen, bis ein Auto vor dem Fussgänger anhält. Das war während der «Rad steht, Kind geht»-Kampagne. Doch niemand hat ihnen gesagt, dass sie die Strasse auch dann überqueren dürfen, wenn kein Auto kommt. Dass sie lange dort stehen, sendet falsche Signale aus: nämlich dass das Kind die Strasse gar nicht überqueren möchte, sondern hier nur auf einen Klassenkameraden wartet.
Und scheinbar hat ihnen auch niemand gesagt, was sie machen müssen, wenn es keinen Fussgängerstreifen gibt, vor dem sie warten können. Diese Kinder laufen mir dann in der 30er-Zone regelmässig direkt vors Auto, obwohl sie keinen Vortritt haben. Bitte, liebe Polizei, macht es besser und lehrt den Kindern die relevanten Dinge! Und bringt ihnen auch bei, wie sie die verschiedenen Strassentypen (siehe unten) unterscheiden können.
Amerikanische Verhältnisse auch in der Schweiz?
Überängstliche Eltern lassen Kinder heutzutage nicht mal mehr selbst zu Fuss zur Schule gehen. Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, werden immer mehr zum Problem. Damit blockieren sie nicht nur den Verkehr rund um Schulen, sondern sie gefährden auch andere Schulkinder, die zu Fuss unterwegs sind. Und nicht zuletzt sorgen sie dafür, dass ihre Kinder die nötige Kompetenz im Strassenverkehr lernen können. Immer mehr Gemeinden reagieren mit Flyern und Vorschriften auf dieses Problem.

Die Gemeinde Ittigen im Kanton Bern hat auf das neue Schuljahr hin «Kiss & Ride»-Parkplätze eingerichtet. Hier dürfen sich Eltern im Auto während maximal 2 Minuten hinstellen, um ihre Kinder ein- und aussteigen zu lassen. Auf dem übrigen Schulgelände gilt ein Park- und Halteverbot.
Das «Kiss & Ride»-System stammt aus den USA. Denn leider haben wir mittlerweile auch in der Schweiz amerikanische Zustände erreicht. Die Tafel mit den Anweisungen bleibt noch bis zum Schulstart am Montag hin zugedeckt.
Autofahrer in der Verantwortung
Natürlich passen Autofahrer auf. Autofahrer wollen niemanden überfahren, und schon gar nicht Kinder. Und natürlich müssen Autofahrer ihren Teil dazu beitragen, dass Kinder und alle anderen Fussgänger die Strasse sicher überqueren können. Es ist aber falsch, die Verantwortung nur den Autofahrern aufzubürden. Und genau das scheint die neue «Kinder überraschen»-Kampagne zu tun.
Wichtig sind für Autofahrer die folgenden Verhaltensregeln:
Bitte haltet Euch daran.
Kenne Deine Strassen
Ist es mittlerweile wirklich so schwierig, den Durchblick zu behalten? Hier eine kleine Auffrischung:

Und genau diese Unterscheidung der unterschiedlichen Strassen und Vortrittsregeln sollen Eltern oder sonst halt die Polizei den Kindern beibringen. Gerade auch die Eltern sind in der Verantwortung, ihren Kindern das Verhalten auf dem Schulweg und auf der Strasse beizubringen. Das klappt zukünftig hoffentlich besser.
Ich wünsche den Schulkindern einen guten Schulbeginn und hoffe, dass alle gesund wieder nach Hause kommen.
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Die neue Informationskampagne des TCS, des Bundesamts für Unfallverhütung und der Polizei heisst: „Rad steht, Kind geht“. Sie verteilen Kreiden an Autofahrer, die den Slogan auf ihre Pneus schreiben und mit dem Hashtag #radstehtkindgeht in den sozialen Medien teilen sollen. Diesem Aufruf sind immerhin ein paar Autobesitzer nachgekommen.
Immer ganz anhalten
Diese Regel propagiere auch ich seit Jahren. Je nach Alter können Kinder die Geschwindigkeit von Fahrzeugen nicht richtig einschätzen. Daher sollen Autofahrer nie bloss verlangsamen, um Kinder über den Fussgängerstreifen laufen zu lassen, sondern immer komplett anhalten. Und das möglichst nicht direkt vor dem Fussgängerstreifen, sondern schon ein paar Meter davor. Das gibt dem Kind einen Sicherheitsabstand und einen besseren Überblick der Strasse rund um den Fussgängerstreifen.
Keine Handzeichen geben
Neben dem in der Kampagne empfohlenen Anhalten sind aber auch weitere Regeln extrem wichtig. Zuerst muss sich das Kind selbst vergewissern, ob es die Strasse sicher betreten kann oder nicht. Verlässt sich ein Kind einzig auf das Handzeichen des haltenden Autofahrers, übersieht es möglicherweise eine aus der anderen Fahrtrichtung nahende Gefahr. Daher gilt: Keine Hand- oder sonstigen Zeichen geben.
Konsequent fahren
Fussgängerstreifen sind in Quartierstrassen mit 30 km/h-Geschwindigkeitsbeschränkung nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Ohne Fussgängerstreifen haben Autos Vortritt. Einige Autofahrer wollen nett sein und halten trotzdem an, um Schulkinder durchzulassen. Diese prägen sich das ein und erwarten dann dieselbe Reaktion auch von anderen Automobilisten. Gefährliche Situationen lassen so nicht lange auf sich warten. Mir ist mehr als einmal ein Kind direkt vors Auto gelaufen. Deshalb ist es wichtig, dass auch alle netten Autofahrer ihr Vortrittsrecht konsequent ausüben.
Kinder richtig schulen
Neben den Regeln für Autofahrer ist es aber genauso wichtig, die Erstklässler richtig zu schulen. Denn sie verstehen vieles falsch. Sie warten am Fussgängerstreifen häufig auch, bis ein Auto anhält, wenn erst Minuten später eines angefahren kommt. Das ist gefährlich, weil es für die Autofahrer so aussieht, als wolle das Kind den Fussgängerstreifen überhaupt nicht überqueren, sondern warte vielleicht auf ein „Gschpänli“. Fährt das Auto deshalb vorbei, ohne anzuhalten, verunsichert dies das Kind und führt vielleicht sogar dazu, dass es unvermittelt den Fussgängerstreifen betritt.
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