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Pro Kalenderjahr fahren wir rund 18’000 Kilometer. Somit verbrauchen wir 2’160 Liter Benzin und stossen beim Fahren 3,25 Tonnen CO2 und weitere Schadstoffe aus – und zwar jedes Jahr. Benzin wird in Raffinerien aus Erdöl hergestellt, einem fossilen Energieträger, der nicht nachwächst und irgendwann aufgebraucht sein wird. Und das ausgestossene CO2 ist doppelt so schwer wie das Auto selbst.
In der Schweiz sind 4.72 Millionen Personenwagen zum Verkehr zugelassen. Wenn jedes dieser Autos nur halb so viel Benzin verbraucht und halb so viel CO2 generiert wie unser SUV, und auch nur halb so viele Kilometer pro Jahr zurücklegt, dann werden trotzdem insgesamt 2.5 Milliarden Liter Benzin verbraucht und 3.8 Millionen Tonnen CO2 ausgestossen. Und das nur in der Schweiz und pro Jahr. Man braucht weder Klimaaktivist noch Grüner zu sein, um das völlig verrückt oder zumindest sehr bedenklich zu finden. Und zu realisieren, dass sich da etwas ändern muss.
Für meine Frau und mich stand deshalb schon seit ein paar Jahren fest: Wir möchten zukünftig lieber elektrisch fahren. Aber welches Auto? Seit meiner ersten Probefahrt in einem Tesla Model S im 2015 sind es schon acht Jahre her. Und ganz in unserer Nähe befindet sich das Tesla Service Center Bern, das im Jahr 2016 eröffnet wurde. Doch die drei Tesla-Modelle S, X und 3 kamen für uns nicht infrage – zu gross, zu teuer, zu unpraktisch.
Viele Probefahrten
Das trifft auch auf die meisten anderen Elektroautos zu, die ich seither ausprobiert habe – vom kleinen Microlino bis zum grossen VW ID.Buzz. Dass sich weder der eine noch der andere für unsere Zwecke eignet, wussten wir schon im Voraus. Aber Spass gemacht haben die Probefahrten trotzdem.

Eine grosse Hilfe war die Seeland E-Mobilitäts-Show SEMS in Lyss (zwischen Bern und Biel). Dank der Unterstützung der lokalen Markenvertreter kann man dort in die meisten aktuellen Elektroautos hineinsitzen und den Kofferraum öffnen – zwei extrem wichtige Kriterien für den Kauf eines neuen Autos. Die Garagen-Teams stehen für fachkundige Auskünfte zur Verfügung. Und einige der Elektroautos und Elektromotorräder können gleich kostenlos ausprobiert werden. Auf dem Parkplatz herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Hier machen Interessierte je nach Vorliebe im Honda E und Peugeot e-208, oder auch in einem grossen Mercedes-SUV oder im Porsche Taycan eine Spritztour. Neben den Autos betreiben auch Anbieter von Photovoltaik-Anlagen oder Ladestationen Stände. Beides geht oft Hand in Hand mit dem Kauf eines Elektroautos.
Die nächste SEMS in Lyss findet am 26. August 2023 statt. Wer in den nächsten Jahren ein Elektroauto kaufen möchte, schaut am besten vorbei. Mehr Informationen stehen unter www.sems-lyss.ch bereit. Zum ersten Mal ist auch Tesla offiziell mit dabei. Ich empfehle, früh einzutreffen, um eine Probefahrt zu reservieren (Kärtchen mit dem Auto und der Uhrzeit mitnehmen). Beliebte Fahrzeuge sind rasch ausgebucht. Für die Probefahrten ist eine Registrierung erforderlich, die mit dem Smartphone durchgeführt werden kann.

Das richtige Auto für uns
Uns hat lange Zeit kein Elektroauto so richtig überzeugt. Bis Tesla das Model Y vorgestellt hat. Das sah wirklich vielversprechend aus in Bezug auf Grösse, Platz, Preis… und Power. Am 27. August 2021 haben wir gleich eine Probefahrt gemacht, direkt nach dem Eintreffen des ersten Fahrzeugs in Bern, und am 25. Februar 2022 eine weitere. Unser Gefühl hat uns nicht getäuscht: Das ist das perfekte Auto für uns.

Bestellt haben wir dann aber doch noch nicht gleich. Denn was nützt uns ein Elektroauto, wenn wir es nicht aufladen können? Wir wohnen zwar in einer Überbauung, die erst vor zehn Jahren gebaut wurde. Aber trotzdem fehlt eine Lademöglichkeit in der Einstellhalle. Beim Bau wurden noch nicht mal Vorkehrungen dafür getroffen, z.B. Leerrohre vom Stromverteiler zur Einstellhalle.
Wir haben also die Verwaltung kontaktiert, und offene Türen eingerannt: Sie seien bereits dabei, die Installation einer Ladeinfrastruktur abzuklären. Es sei geplant, alle Parkplätze mit einer Lademöglichkeit auszustatten.
Monate später, nachdem wir wiederholt nachgefragt und darauf hingewiesen haben, dass wir uns ein Elektroauto kaufen möchten, hat die Verwaltung ihre Pläne verworfen. Nicht mehr die ganze Einstellhalle, sondern nur noch 20% der Parkplätze sollen elektrifiziert werden – und nur im anderen Teil der Einstellhalle, nicht bei unserem Parkfeld. Wir dürfen aber selbst etwas organisieren.
Keine Lademöglichkeit
Und das regt mich weiterhin auf: Der Bundesrat und die Behörden wollen zwar, dass die Leute von Autos mit Verbrennungsmotor auf Elektroautos umsteigen, aber nicht so wirklich. Sonst würden sie den Einbau einer Ladeinfrastruktur und den Kauf von Elektroautos finanziell unterstützen sowie rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, um den Leuten ein Recht auf Laden zu geben. Alles davon gibt es im Ausland, aber nicht in der Schweiz. Hierzulande ist man auf sich alleine gestellt und muss auf die Gutmütigkeit des Vermieters hoffen, der mit einem grundlosen Nein die Elektro-Pläne über den Haufen werfen kann. Kein Wunder, dass wir in der Schweiz auch hier zurückliegen.
Endlich sind die Pläne gemacht. Der Elektriker wird ein Kabel von unserem Stromzähler durch unser Kellerabteil bis in die Einstellhalle verlegen. Solange nur wir ein Elektroauto besitzen, reicht der Hausanschluss dafür aus. Bei der Installation wird bereits darauf geachtet, dass später ein Lademanagement-System anschliessbar ist, über das sich alle Parkplätze mit Strom versorgen lassen.
Bestellung nur im Internet
Dann wurde es konkret: In der Altjahreswoche bin ich mit einem Haufen Fragen bei Tesla vorbeigegangen. Und habe gelernt, dass bei Tesla alles ein wenig anders ist wie bei anderen Automarken: Das Auto wird nicht in einer Filiale bestellt, mit Rabatten oder kostenlosen Extras, sondern einzig über das Bestellformular im Internet. So wie man einen Tablet-Computer bestellen würde – nur, dass an diesem Tablet noch vier Räder und jede Menge Drumherum befestigt sind.

Der Bestellprozess ist denkbar einfach. Im Gegensatz zu anderen Herstellern, bei denen unzählige Optionen, Extras und Pakete die Wahl erschweren (und vor allem das Auto mit seinem vermeintlich günstigen «Ab»-Preis verteuern), wählt man bei Tesla aus fünf verschiedenen Karosserie-Farben, zwei verschiedenen Innenraum-Farben und drei Motor- und Batterie-Kombinationen. Alle Extras sind immer mit dabei. Das vereinfacht die Produktion enorm. Tesla kann dadurch auf Vorrat produzieren und nicht erst auf Bestellung, wie andere Hersteller es tun. So beträgt die Wartezeit je nach Bestelldatum zwei Tage (die Autos werden jeweils zum Quartalsende hin ausgeliefert) statt zwei Jahre wie bei gewissen anderen Marken.


Wir haben im Januar bestellt und mussten deshalb bis im März warten. Das mit der Auslieferung zum Quartalsende hin wussten wir damals noch nicht. Und waren deshalb ein wenig überrascht, als sich das voraussichtlich Auslieferungsdatum mehrfach änderte. Zuerst hiess es «Januar – März», dann «unbekannt», dann «April – Mai», und dann ging Mitte März alles ganz schnell: Wir haben ein SMS erhalten mit der Aufforderung, ein Datum für die Abholung auszuwählen. Drei Tage in der nächsten Woche standen zur Verfügung; Mittwoch, Donnerstag oder Freitag.

Selbst einlösen, selbst abholen
Wir haben also einen Tag ausgewählt – Freitag – und eine Uhrzeit. Am Donnerstagmittag traf dann das Zollformular 13.20A per Post ein. Das braucht man, um das Auto einzulösen. Dabei hat das Strassenverkehrsamt in Bern nur bis um 16:00 Uhr geöffnet. Wer keine Zeit hat oder sich das nicht so kurzfristig einrichten kann: Pech gehabt.

Ich habe also früher Feierabend gemacht und bin am Nachmittag an den Schermenweg gefahren. Der Versicherungsnachweis wurde schon elektronisch direkt den Behörden zugestellt. Ich habe eine Nummer gezogen und bin an die Reihe gekommen. Aber nur, um gleich wieder weggewiesen zu werden. Mit dem Zollformular müsse ich zuerst beim Verkehrsprüfzentrum vorbeigehen und es dort kontrollieren zu lassen. Mir kommen Zweifel, ob ich heute wirklich noch zum nötigen Fahrzeugausweis komme.

Aber es reicht doch – aber ganz knapp. Nach rund zehn Minuten Warten erhalte ich das Formular zurück, auf dem nun der Kilometerstand 13 und ein Vermerk «Allgemeinzustand: neuwertig» ergänzt wurden. Damit gehe ich schnellen Schrittes zurück zum anderen Gebäude und habe Glück: Die Nummer, die ich vor dem Gehen noch gezogen habe, ist schon fast an der Reihe. Nun hat die Dame am Schalter keine Einwände mehr und der Fahrzeugausweis wird ausgestellt. Die Eingangstüre ist aber bereits verschlossen, als ich ihn erhalte. Ich muss das Gebäude durch den Hinterausgang verlassen.

Und dann ist der Abholtag gekommen. Während bei anderen Marken die Garagen die Autos abholen und für die Übergabe in die lokale Filiale bringen, muss man das bei Tesla selbst machen. So fahren wir nach Studen, wo die Fahrzeuge per Zug ankommen. Tesla hat zuvor per SMS klargestellt, dass es keine Einführung in das Auto geben wird. «Schauen Sie sich die Videos an», hiess es mehr oder weniger wörtlich.

Und das finde ich wirklich nachvollziehbar. Während andere Garagen je nach Zulauf ein oder höchstens wenige Neuwagen pro Tag den neuen Besitzerinnen und Besitzern übergibt und sich viel Zeit für den persönlichen Kontakt nimmt, ist das bei Tesla gar nicht möglich. Hier werden Hunderte von Fahrzeugen an einem einzigen Tag abgeholt. Mehr als eine kurze Übergabe der Schlüsselkarte und die Info, auf welchem Standplatz das Auto wartet, ist so gar nicht machbar oder würde ein Vielfaches an Personal benötigen… und die Autos damit gleich verteuern.

Zu dritt sind wir also schon bald um das Auto herumgelaufen. Wir haben die Funktionen überprüft und den Lack und die Spaltmasse kontrolliert. Auszusetzen hatten wir nichts. Unser Model Y Performance wurde in der Gigafactory Grünheide in Berlin gebaut, und damit echte deutsche Wertarbeit. So haben wir uns voller Begeisterung auf die Heimfahrt gemacht.


Praktisch über alles
Da unsere Ladestation erst in der Folgewoche eingebaut wird und wir das Laden am Supercharger sowieso üben müssen, bin ich am Wochenende nach Rubigen gefahren. Und habe schon bald herausgefunden, welches der beiden Kabel zum Anschluss an unserem Auto passt. Das Laden selbst ist unglaublich einfach: eintreffen, einstecken, bis zur gewünschten Ladegrenze laden, ausstecken, wegfahren. Es braucht keine Registrierung beim Eintreffen, kein Abo, kein nichts. Bezahlt wird automatisch über die Kreditkarte, die in der App hinterlegt ist. Und schon ein paar Minuten vor dem Eintreffen beginnt das Auto, die Batterie auf das schnelle Laden vorzubereiten.


Genauso praktisch sind auch das Laden von Software-Updates «over the air» per WLAN, nach denen das Auto immer ein wenig schlauer ist und mehr Funktionen hat als zuvor, und all die automatischen Helfer. Fast alles ist auf Automatik eingestellt. So schaltet sich das Licht und sogar das Fernlicht bei Bedarf automatisch ein und wieder aus. Und die Platzmöglichkeiten im Auto sind unerreicht: Im grossen Kofferraum gibt es Seitentaschen und unter der Abdeckung ein grosses Staufach, das fast bis hinunter zum Boden reicht. Zusätzlich gibt es den Frunk, den vorderen Kofferraum. Darin hat eine grosse Reisetasche locker Platz (unsere hat gut gefüllt die Masse 60 x 40 x 30 cm).

Viel Platz haben wir auch im Innenraum: Vorne gibt es mehr Beinfreiheit, da es davor keinen grossen Verbrennungsmotor mit seiner ganzen Technik gibt, und auch hinten sitze im mit meinen 183 cm sehr bequem. Ich kann die Beine weit unter den Vordersitz strecken – ähnlich wie im Flugzeug.

Ein bisschen Individualität
Mittlerweile ist das Model Y das am meisten verkaufte Auto. Und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit. Was wirklich sehr eindrücklich ist und belegt, dass es nicht nur für uns, sondern für viele andere Leute auch das perfekte Auto ist. Für uns stand deshalb von Anfang an fest, dass LucY, so heisst unser Tesla, eine individuelle Farbe erhalten soll.
Der Tag der offenen Türe bei Zooki Performance in Belp hatte uns überzeugt: Hier lassen wir uns Auto folieren. Der kleine Betrieb ist auf Teslas spezialisiert und weiss genau, wie er das Auto auseinandernehmen (und vor allem: wieder zusammenbauen!!) muss. Inhaber und Geschäftsführer Zoran Drincic fährt selbst ein Model Y. Er hat uns schon vor der Bestellung den entscheidenden Tipp gegeben: Bestellt ein schwarzes Auto, auch wenn dafür ein Aufpreis gezahlt werden muss. So erscheint das folierte Auto mit seinen dunklen Dichtungen und Abdeckungen beim Öffnen der Türen und des Kofferraums trotzdem nur zwei- statt dreifarbig.


Wir schauen mehrere Farbfächer durch, bis wir uns für eine Folie entscheiden. Und sind mit dem Resultat sehr zufrieden, also wir LucY nach einer knappen Woche wieder abholen können. Seit meinem ersten Auto zieht sich die hellblaue Farbe durch mein Leben. Hier darf sie nun ruhig ein wenig kräftiger sein, um selbstbewusster und erwachsener zu wirken als der eher pastellige Farbton bei meinem Peugeot 205 GTI. Der war nicht foliert, sondern umlackiert. Die Folie ist weniger permanent und schützt gleichzeitig den Original-Lack. Wir freuen uns bei der Enthüllung riesig.



Zu Hause laden
Endlich ist auch die Ladestation eingebaut! Unser Elektriker musste lange auf eine Auskunft des Stromunternehmens warten. Auch da hat man das Gefühl, die Elektromobilität sei gestern erst erfunden worden. Es kann doch nicht sein, dass man darauf monatelang warten muss.


Wir freuen uns sehr, dass LucY nun auch zu Hause laden kann. Normalerweise stecken wir es über Nacht ein, genauso wie wir auch das Smartphone oder die Smartwatch laden, während wir schlafen. So steht uns jeden Morgen eine Reichweite von 430 Kilometern zur Verfügung, oder 477 Kilometer, wenn wir die Batterie zu 100% laden. Das machen wir aber nur vor langen Reisen. Nur auf 90% zu laden schont die Batterie. Neuerdings empfiehlt Tesla sogar nur 80%, was mit 383 Kilometern aber immer für den Alltag reicht.


Unsere Zaptec-Ladestation eignet sich für eigentlich alle Elektroautos und kann deshalb auch bei den übrigen Parkplätzen unserer Einstellhalle eingebaut werden. Wenn es soweit ist, kommunizieren sie drahtlos miteinander und melden den Verbrauch über das Internet. Aufladen können natürlich nur wir: Jede Ladestation hat ihren eigenen Badge, mit dem der Ladevorgang gestartet werden kann.
Nach England und zurück
Mittlerweile fahren wir seit vier Monaten elektrisch und möchten auf keinen Fall mehr zurück zum Verbrenner. Auch die Reise nach England war ein tolles Erlebnis. Wir waren auf der Fahrt durch Frankreich zwar eine Stunde länger unterwegs, sind aber viel entspannter angekommen. Denn wir haben die Ladepausen dazu benutzt, gemütlich die Toilette zu benutzen, etwas zu essen… und generell um etwas Anderes zu machen, als konzentriert auf die Strasse zu schauen.

Dass eine Batterieladung für die 1’000 Kilometer durch Frankreich nicht reicht, war uns von Anfang an klar. «Ich kann 1’200 Kilometer mit meinem sparsamen Diesel fahren», hat mir mal jemand auf Twitter geschrieben. Als ich ihn gefragt habe, wie oft er das denn am Stück fahre, hat er nicht mehr geantwortet. Wohl nie. Und schon gar nicht ohne Pinkelpause. Und genau deswegen ist das Argument auch keines, und die Reichweitenangst völlig unbegründet. Das Auto hat die Fahrt selbstständig geplant und uns in Frankreich zweimal zu einem Supercharger gelotst. Klar, es kennt schliesslich den Standort aller Ladestationen von Tesla und viele von anderen Anbietern. Und wir haben gemerkt: LucY nimmt lieber den kürzeren, direkteren Weg und führt uns über Autostrassen und Überlandstrassen, statt auf der Bezahl-Autobahn weite Kurven zu fahren und dabei Fahrkilometer zu verschwenden. Und das macht Sinn! Denn so wird Energie gespart, und erst noch das Geld für die Mautgebühren. Eindrücklich!
Auch in England war Laden nie ein Problem. Wir hätten unsere Reise aber nicht in einem anderen Auto machen wollen als einem Tesla. Denn mehr als einmal haben wir defekte Ladestationen in der Nähe von funktionierenden Superchargern angetroffen. Und als wir aus Interesse mal in einem Einkaufszentrum eine andere Ladesäulen ausprobieren wollten, war das nicht möglich: Die dafür benötigte Smartphone-App ist geoblocked und kann nur im englischen App Store heruntergeladen werden. Auf unseren Telefonen mit dem Schweizer App Store ist sie deshalb nicht einmal auffindbar.


Ausser den tieferen Mautgebühren haben wir aber auch sonst gespart: Wir sind auf unserer Reise 3’981 Kilometer gefahren und hätten mit unserem SUV Benzin für rund 812 CHF verbraucht. Für das Laden an den Superchargern haben wir hingegen nur 332 CHF bezahlt. Und das Aufladen zu Hause ist noch viel günstiger.
Angenehmes Fahren
Auf der Autobahn habe ich öfters mal LucY selbst fahren lassen. Mit dem erweiterten Autopilot hält das Auto selbst die Spur, bremst ab und gibt Gas bis zur Höchstgeschwindigkeit. Das klappt soweit sehr gut und das Auto lernt auch dazu. Ein Problem sind höchstens andere Autofahrende: Drückt sich jemand allzu nahe vor uns in unseren Sicherheitsabstand, bremst LucY auch mal stark. Auch ohne eingeschaltetem Autopilot hilft LucY beim Bremsen, zum Beispiel wenn sich der Verkehr vor uns plötzlich staut. Es warnt auch, wenn eine Kollision droht, zum Beispiel als ein entgegenkommendes Auto allzu knapp vor uns abgebogen ist und plötzlich quer vor uns stand.

Beim Fahren haben wir unterschiedliche Präferenzen. Während ich auf der Überholspur lieber eher links von der Mitte fahre, um mehr Abstand zu den Autos auf der Normalspur zu halten, fährt LucY lieber eher rechts der Mitte. Während ich in Kurven auf der Autobahn eher an der Innenseite fahre, fährt LucY lieber entlang der Aussenseite. Weil ich aber sowieso die Hände am Lenkrad behalte, kann ich da auch mal eingreifen und wieder selbst die Kontrolle übernehmen, und in Baustellen mit vielen verschiedenfarbigen Markierungen auf der Fahrbahn sowieso.
Den grossen Bildschirm haben wir sehr schnell lieben gelernt. Dass die Geschwindigkeit in der Ecke oben links angezeigt wird und nicht direkt vor mir, daran gewöhnt man sich schnell. Entgegen den gängigen Vermutungen muss man während dem Fahren nicht ständig am Bildschirm herumdrücken. Wieso auch? Das Auto macht vieles automatisch, und für alles gibt es Sprachbefehle. Der Bildschirm zeigt ein Satellitenbild des eigenen Standorts und die Strecke beim Navigieren an. Dank der Grösse ist viel besser erkennbar, was weiter vorne bevorsteht. Entsprechend kann man sich auf mehrspurigen Strassen dann schon mal links oder rechts einordnen, um weiter vorne fürs Abbiegen auf der richtigen Spur zu sein. Apropos Spur: LucY zeigt verlässlicher als unsere bisherige TomTom-App, auf welcher man fahren soll. Nur dank dem Satellitenbild auf dem grossen Bildschirm konnten wir im Stau auf der Rückfahrt rasch eine alternative Route finden, die später wieder zur vorgesehenen Strecke zurückführt, und den Stau umfahren.

Wenig Kritik
Auf unserer ersten Ferienreise mit LucY haben wir das Auto ziemlich gut kennengelernt. Und haben nur wenig Kritik:
Autopilot und Tempomat «sehen» dank der Kamera beim Innenrückspiegel. Ist die Frontscheibe verschmutzt und die Kamera-Sicht nicht mehr perfekt, zum Beispiel nach ein paar Hundert Kilometern Autobahnfahrt mit vielen Insekten, schaltet sich der Scheibenwischer ein, um die Kamera-Sicht zu verbessern. Und hört dann nicht mehr auf. Denn das trockene Scheibengewische macht alles nur noch viel schlimmer. Entweder muss man nun Autopilot und Tempomat für den Rest der Fahrt deaktivieren, oder anhalten und die Scheibe von Hand reinigen.


Und trotz den sechs Kameras rund um das Auto herum gelingt es Tesla nicht, die Vorderräder auf dem Bildschirm anzuzeigen. Das wäre hilfreich, um beim Einparkieren Randstein-Rempler mit dem rechten Vorderrad zu vermeiden. Denn die Felge steht so weit heraus, dass sie bei der geringsten Berührung schrecklich zerkratzt wird. Elon, bitte beides beim nächsten Update korrigieren!
Apropos Elon Musk als CEO von Tesla: Wir sind definitiv keine Fans.
Dieses Argument müsste jeden Petrolhead überzeugen
Neben der Kritik haben wir aber noch mehr Lob. Mit LucY fahre ich viel flüssiger, weil das Auto viel direkter reagiert. Gehe ich vom Gas, verzögert es sofort – und zwar mehr oder weniger stark, abhängig davon, wie fest mein Druck aufs Gaspedal nachlässt. Die Bremse braucht man kaum mehr. Und wenn ich wieder Gas gebe, steht immer die volle Kraft bereit. Ein Runterschalten, um die Drehzahl zu erhöhen, ist hier überflüssig. Und die volle Kraft kann sich wirklich sehen lassen! Unser Model Y Performance verfügt über 534 PS und kann damit in 3.7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Viele Verbrenner können da nicht mithalten. Und dabei ist das Model Y erst noch das langsamste der vier Tesla-Modelle! Dieses Argument hat mich schon bei meiner ersten Probefahrt mit einem Tesla vor acht Jahren überzeugt.

Wir fahren gerne elektrisch. Die Reichweitenangst mancher Leute und schlecht gemeinte Vorurteile sind unbegründet: Unsere Reise nach und durch England hat uns bewiesen, dass auch lange Fahrten mit einem Tesla kein Problem sind. Und kurze Fahrten durch die Schweiz sowieso nicht.
Und wir sehen, wie stark sich Tesla bemüht, die Kosten tief zu halten, und die Ersparnisse an die Kundschaft weiterzugeben. Kurz nach unserer Bestellung hat Tesla die Preise für seine Autos je nach Modell um mehrere Tausend Franken gesenkt. Und liess uns ebenfalls von der Preissenkung profitieren.
Wie gesagt: Für uns ist das Model Y genau das richtige Auto. Für andere mag es ein anderes Elektroauto sein, oder weiterhin ein Auto mit Verbrennungsmotor. Wichtig ist es, offen für Neues zu sein und sich nicht von unbegründeter Angst oder noch unbegründeteren Vorurteilen davon abhalten zu lassen, den Wechsel zu wagen. Je mehr Elektroautos auf den Schweizer Strassen unterwegs sind, desto besser für alle: Denn so gehen den Leuten, die Autos und individuelle Mobilität bekämpfen, immer mehr Argumente aus. Verzweifelt versuchen sie ja mancherorts, Motorenlärm und Abgas als Argumente für tiefere Tempolimits und andere Einschränkungen zu nutzen, so lange das noch geht. Freut Euch also über Elektroautos – ob Ihr nun selbst eines fährt oder nicht.

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Wie können die das wohl finanzieren? Dass in der «Grand Basel» enorm viel Geld steckt, sieht man sofort. Zum Beispiel am hochprofessionell produzierten Werbevideo mit dem Schauspieler Idris Elba, der extrem umfangreichen Webseite oder der Werbung, die überall zu sehen ist. Im Gegensatz zum Auto-Salon in Genf stellen hier aber nicht die Autofirmen aus, sondern Händler und Sammler. So stehen einige der Fahrzeuge auch zum Verkauf – Preis auf Anfrage.
Eingerahmt und ausgeleuchtet
Links oder rechts? Diese Frage stellt sich sofort, als wir mit der Rolltreppe im Obergeschoss eintreffen. Auf beiden Seiten der «Site of Excellence» mit dem Konstruktionsmodell eines Alfa Romeo Oldtimers buhlen Autos in allen Farben um die Gunst der Besucher. Alle stehen sie in einer Art dreidimensionalen Bilderrahmen und sind perfekt ausgeleuchtet. Mit dem Kontrast zur dunklen Halle kommen die Autos so grossartig zur Geltung. Die Lampen sind clever angeordnet, so dass sie sich beim Fotografieren kaum im Blech oder auf den Scheiben spiegeln.




In der «Galerie Nord» gehen wir durch die einzelnen Strassen (mit Mittelstreifen) und freuen uns über das Sammelsurium an speziellen Autos. Hier finden wir nicht nur seltene Porsches, Bugattis, Ferraris (darunter auch eine Einzelstück-Sonderanfertigung) und weitere Luxusmarken, sondern auch die Europa-Premiere des imposanten neuen Tesla Roadsters, eine vom italienischen Rennfahrer Eugenio Amos gebaute Neuauflage des Lancia Delta Integrale als «Futurista», zwei Fiat-Sondermodelle des ehemaligen Fiat-Präsidenten, und viele weitere Besonderheiten jeden Alters.














In der «Galerie Süd» bewundern wir weitere Raritäten der Automobilgeschichte, darunter auch einen von nur drei gebauten Monteverdi hai 450 GTS des Schweizer Automobilherstellers Peter Monteverdi und einen schwarzen De Tomaso Pantera, der mir so gut gefällt.






Rund um das «Auge», die runde Aussparung, die das Markenzeichen der neuen Messehallen darstellt, befinden sich Stände von Veredlern, Kunstgalerien, Inneneinrichtungen und ein Stand von Sprüngli mit einem Schoggibrunnen, an dem Erdbeeren und Mango-Stücke mit Schokolade probiert werden dürfen. Nicht verpassen!

Hinter dem «Auge» geht es weiter mit interessanten Fahrzeugen. Hier sticht der Lincoln Continental von 1963 in einem pinken Rahmen, einem übergrossen Haifischzahn und der Aufschrift «Die Picasso sind da» hervor. Die Rahmen mit den Autos sind hier auch nicht mehr in geraden Linien aufgereiht, sondern wild durcheinander. Diese unterschiedliche Anordnung erinnert mich an eine gewachsene Altstadt und geplante Erweiterungen einer Stadt, wie sie auf vielen Stadtplänen im In- und Ausland erscheint.



Besondere Augenweiden
Eigentlich sind alle an der «Grand Basel» präsentierten Fahrzeuge wirklich sehenswert. Besonders aufgefallen sind mir diese hier (in alphabetischer Reihenfolge):
Amos Lancia Delta Integrale Futurista
Der italienische Rennfahrer Eugenio Amos hat den Lancia Delta Integrale als «Futurista» neu aufgelegt.






Bugatti Chiron
Sein 16-Zylinder-Motor mit vier Turboladern entwickelt 1’500 PS und beschleunigt den Chiron auf über 400 km/h.





De Tomaso Pantera
Der De Tomaso Pantera ist und bleibt einer der aufregendsten Sportwagen der 70er-, 80er- und 90er-Jahre.



Ferrari SP38 Deborah
Ferrari baute dieses Unikat im Jahr 2018 auf Kundenwunsch auf der Basis eines Ferrari 488 GTB.




Fiat-Sondermodelle von Fiat-Chef Gianni Agnelli
Der ehemalige Fiat-Chef Gianni Agnelli wünschte sich ein luftiges Auto, das er auf seiner Yacht transportieren konnte. So entstand der Fiat 500 Jolly.

Gianni Agnelli liess sich für sommerliche Fahrten zwischen Villa und Strand den Fiat 500 Spiaggia Boano bauen – und einen zweiten für Aristoteles Onassis.

Lamborghini Countach LP400
In seiner ersten, reinen Form fallen die riesige, flache Windschutzscheibe und die ungewöhnliche Form der hinteren Kotflügel des Lamborghini Countach besonders gut auf.



Monteverdi hai 450 GTS
Die Schweizer Automarke Monteverdi hatte ihren Sitz nur gerade 4 Kilometer vom Messeplatz in Basel entfernt in Binningen im Kanton Basel-Landschaft. Hier befand sich bis Ende 2016 auch das Monteverdi-Museum. Heute können Monteverdi im Verkehrshaus Luzern bewundert werden.




Tesla Roadster
Der Tesla Roadster feiert an der «Grand Basel» Europapremière. Der voraussichtlich ab 2020 produzierte elektrische Supersportwagen beschleunigt in 2.1 Sekunden von 0 auf 100 km/h – kein anderes Auto ist schneller.




Ab nach Basel!
Die «Grand Basel» ist noch bis am Sonntag, 9. September 2018, geöffnet. Tickets können online oder vor Ort gekauft werden. Tageskarten kosten online 45 Franken, ermässigte Tickets für Kinder, Studenten und Rentner 40 Franken. Das Erlebnis ist die stolzen Preise wert.
Neben den Tageskarten sind auch Abendkarten für 23 bzw. 20 Franken erhältlich, mit denen man Einlass ab 16.30 Uhr hat. Die eineinhalb Stunden sind aber sehr knapp, um genügend Zeit für alle Autos zu haben.

Die Messe ist jeweils von 11.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Weitere Informationen sind auf der Webseite der «Grand Basel» zu finden: www.grandbasel.com/basel
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]]>Völlig geräuschlos biegt der Tesla kurz vor acht Uhr abends um die Ecke und hält vor dem Berner Münster. Erschöpft, aber stolz und erleichtert steigen Anton Julmy und Nic Megert aus. Sie haben einen langen Tag hinter sich. Um halb fünf Uhr morgens sind sie in Kroatien losgefahren und haben Kilometer um Kilometer nach Slovenien, Italien und schliesslich zurück in die Schweiz hinter sich gebracht. Am Grenzübergang im Tessin wurden sie kontrolliert und auch der Stau am Gotthard hat dem Zeitplan einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Dreissig Tage lang waren die beiden kreuz und quer in Europa unterwegs. Eine eindrückliche Reise, auch wenn sie ausser Autobahnen kaum etwas von den Ländern gesehen haben. «Manchmal waren Tannen nebendran, manchmal Bäume, Felsen oder Fjorde.» In Spanien oder Portugal wäre er gerne nochmals unterwegs, erzählt Nic Megert. Hier hat es ihm gut gefallen. Sehr schön war auch der oberste Teil in Norwegen. Aber es gäbe auch Länder, die müsse er nicht nochmals besuchen. Gerade in Osteuropa haben die Grenzübertritte den beiden Mühe gemacht. «Wir waren manchmal am Anschlag.» Stundenlange Wartezeiten und strenge Kontrollen haben schliesslich dazu geführt, dass die Zeit für die letzten vier Länder gefehlt hatte. So mussten sie an Mazedonien, Albanien, Montenegro und Bosnien und Herzegowina vorbeifahren, um rechtzeitig wieder nach Bern zurückzukehren. Doch auch 26 Länder in 30 Tagen ist eine beeindruckende Leistung.
Der bisherige Guinness Weltrekord von 19’607,96 km ist gebrochen.

Die gefahrene Strecke
In Sevilla gab es Ladestationen nur auf der Karte und nicht in echt. Beim Verladen in den Eurotunnel-Zug nach Grossbritannien wurde eine Felge beschädigt. Dann gab es Probleme mit dem Akku, der in Kopenhagen gegen einen neuen ersetzt wurde. Im hohen Norden war es schwierig, eine Verbindung des Trackers zum tief fliegenden Satelliten herzustellen. In Belarus mussten die Fahrer einen Transponder installieren, mit dem die Autobahngebühr berechnet wurde. In der Türkei wurde der Tesla von Strassenhunden gejagt und angeknabbert (siehe Fotos!). Und beim Einreisen nach Bulgarien wurde das Auto erstmal desinfiziert. Wer eine Reise tut, der kann etwas erzählen!

Pro Tag mussten die beiden rund 800 Kilometer fahren. Gut, dass sie sich dabei abwechseln konnten. Mit neun Apps hat der jeweilige Beifahrer ständig nach Ladestationen auf dem Weg gesucht, um die Batterien immer wieder laden zu können. Oft betrug die Restreichweite nur noch wenige Kilometer, und lange nicht immer gab es einen der Tesla Supercharger. Oft stand nur eine normale Ladestation für Elektrofahrzeuge («CHAdeMO» genannt) zur Verfügung, teilweise sogar nur eine gewöhnliche Haushalt-Steckdose. Diese Sucherei, die Anpassung der Routen-Planung und auch das Protokollieren für den Weltrekord waren derart zeitintensiv, dass ihnen gar keine Gelegenheit blieb, um sich die Zeit mit etwas Anderem zu vertreiben.

Auch bei Renault-, VW- und Kia-Garagen durften die beiden ihren Tesla aufladen. «Die waren sehr freundlich und haben uns sogar noch einen Kaffee angeboten. Nur bei Nissan durften wir nicht einmal gegen Bezahlung laden. Das hat mich sehr geärgert», meint Nic. Während die Suche nach Ladestationen mit fast leerer Batterie sehr nervenaufreibend war, können die beiden jetzt darüber lachen: «Weisst Du, was wir eigentlich hätten machen sollen?», fragt Anton Nic. «Wir hätten das Ladekabel ja einfach an unsere 230 Volt-Steckdose im Auto einstecken können.»


Im Kofferraum zeichnete eine Laptop die Fahrt für das Guinness Buch der Weltrekorde auf. Und die Position des Tesla wurde laufend live ins Internet übermittelt. So konnten Interessierte im Blog auf der Webseite und auch auf ihrer Facebook-Seite ständig mitverfolgen, wie es um sie steht.
Die Reichweite des Tesla beträgt je nach Fahrstil rund 400 Kilometer mit einer Akku-Ladung. «Wenn es sein müsste, könnte ich 480 Kilometer herauskitzeln», ist Nic überzeugt. Insgesamt 108 Mal hatten sie auf ihrer 22’339,7 km langen Reise Strom getankt. Das macht durchschnittlich 3,6 Stromtankstopps pro Tag oder ein Tankstopp alle 206 Kilometer, wobei die Akkus nicht immer vollgeladen wurden. Wie viel Zeit sie mit Laden verbracht haben, müssen sie zuerst noch ausrechnen. Zusammen mit Umwegen für die Anfahrt zu den Ladestationen dürften es durchschnittlich schon drei bis vier Stunden pro Tag gewesen sein, und wesentlich mehr, wenn kein Supercharger zur Verfügung steht.

Und das stellt halt nach wie vor den grössten Nachteil von Elektrofahrzeugen dar. Denn mit einem herkömmlichen Auto mit Benzinmotor hätte ein fünfminütiger Tankstopp gereicht, um wieder weiterfahren zu können. Doch darum ging es ja auch nicht. Aber wie sehen die beiden es selbst? Ist es Nic Megert und Anton Julmy nun gelungen, die Alltagstauglichkeit des Tesla zu beweisen?
«Ich finde schon», meint Nic. «Einerseits beweist es, dass die Stammtischmeinung widerlegt ist, dass man mit dem Tesla nicht mal in die Ferien fahren könne. Das ist absolut hahnebüchen. Das geht ohne Probleme. Zum Beispiel nach Spanien. Es hat auch gezeigt, dass die einzige richtige Lösung diejenige von Tesla mit den Superchargern ist. Mit den normalen Ladestationen dauert das Laden viel zu lange. Niemand hat Bock, zweieinhalb Stunden irgendwo zu stehen und zu warten, bis der Akku wieder voll ist.»
Und Tesla ist laufend dabei, sein Supercharger-Netz weiter auszubauen. Das ist aber auch nötig mit den neuen Modellen X und 3. «Da sehe ich sonst ein Problem auf uns zukommen», prophezeit Anton. Immer mehr Teslas brauchen auch immer mehr Stromtankstellen.
Ausserdem hat Tesla soeben einen neuen 100 kWh-Akku vorgestellt, der dem Model S eine grössere Reichweite von – zumindest theoretisch – 613 km verleiht. Vielleicht fahren Anton und Nic damit bald erneut los.

Weitere Tesla-Berichte auf Petrolhead.ch:
Permalink zu diesem Beitrag: http://ptrl.ch/TeslaWR
]]>Dies ist eine Berichterstattung über den Auto-Salon Genf 2016 in vier Teilen: Zweites Kapitel: Bezahlbare Autos.
SUV
Die „Geländewagen Light“ sind dieses Jahr allgegenwärtig – noch mehr als bisher schon. Der neue Seat Ateca ist der spanische Cousin des VW Tiguan. Er ist schön proportioniert und passt gut in die bisherige Modellpalette. Er ist bereits ab 21’750 Franken zu haben (zum Vergleich: der VW Tiguan kostet mindestens 38’050 Franken und damit fast doppelt so viel) und wird damit sicher eine grosse Zukunft haben.

Apropos VW Tiguan: Dieser wurde vor kurzem komplett überarbeitet und wurde dabei kantiger und eckiger, was insgesamt ein stimmigeres Erscheinungsbild ergibt. Für mich haben bisher die obere und untere Hälfte des Autos einfach nicht zusammengepasst. Nach dem Diesel-Abgasskandal gibt sich VW demütig. Am gleich grossen Stand stehen wesentlich weniger Autos als letztes Jahr, in den vorderen Reihen vor allem kleine Modelle und Nutzfahrzeuge. Der Tiguan versteckt sich hinter einer Wand und auch das sicher bald serienreife Hybrid-Konzept GTE (Bild) muss man ganz hinten im Stand suchen.

Der Jaguar- und Land Rover-Stand kommt gleich daher wie jedes Jahr, was nicht gerade einen innovativen Eindruck macht. Dieses Jahr fehlen die Defender, deren Produktion Anfang Jahr eingestellt wurden. Dicht an dicht gedrängt stehen der neue F-Pace, die SUV-Neuheit von Jaguar, und das Range Rover Evoque Cabriolet (Bild). Der Blick ins Innere verrät: Es ist ein typischer 2+2-Sitzer, bei dem auf dem Rücksitz höchstens Kinder oder das Handtäschli Platz haben. Der Kofferraum ist klein und das geschlossene Stoffverdeck macht einen langweiligen, sehr altmodischen Eindruck. Dies ist nun wirklich ein Auto, auf das die Welt nicht gewartet hat. Vor allem auch mit seinem Preisschild von 57’900 Franken an aufwärts.

Ford bringt seinen Edge (Bild) aus Amerika nach Europa. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen SUV der Kompaktklasse, die zurzeit so beliebt ist. Mit seinem wuchtigen Kühlergrill ist er eine beeindruckende Erscheinung, die sicher seine Abnehmer finden wird. Gleichzeitig sind Ford-Modelle nun in der Variante „Vignale“ erhältlich, mit mehr Chrom, Ausstattung, Topmotorisierung und dem Kühlergrill mit Wabenstruktur.

Tesla Model X
Auch das als Europa-Premiere vorgestellte Tesla Model X ist ein SUV, oder nach Angaben von Tesla ein SUV-Minivan-Crossover. Das Model X zieht – wie schon bisher das Model S – die Besucher des Auto-Salons magisch an. Alle wollen die Falkentüren sehen, die den Zugang zur zweiten und dritten Sitzreihe freigeben. Die Türen öffnen sich zuerst nach oben und erst dann nach aussen, was sich besonders für enge Parklücken gut eignet. So steht die volle Türbreite zum Ein- und Aussteigen zur Verfügung, während unter der Türe auch Erwachsene stehen können, ohne sich den Kopf anzustossen.

Ich bin sehr skeptisch, ob Tesla damit an den Erfolg des Model S anknüpfen kann. In meinen Augen ist die Konstruktion zwar in der Theorie gut, ansonsten aber unpraktisch. Die Türen stehen in der Höhe doch weit heraus – ungeeignet fürs nahe Parkieren an einer Mauer. Wenn es regnet, ist der weit offene Innenraum schnell nass. Aufgrund der Schrägheck-Bauweise ist der Kofferraum klein, vor allem dann, wenn die dritte Sitzreihe benützt wird. So können zwar einige Personen, nicht aber deren Gepäck befördert werden.

Klar, wie auch beim Model S hat der X auch vorne Stauraum zu bieten. Gerade die lange Haube mit der ungewöhnlich grossflächigen, glatten Front ist es dann aber, die Fragen aufwirft. Da sich darin kein Motor verbirgt, ist sie – wie schon beim Model S und abgesehen von ihrer Funktion als Knautschzone – pure Dekoration. Das Auto hätte bei gleichen Dimensionen mit einer wesentlich grösseren Fahrgastzelle ausgestattet werden können, die, wie bei klassischen Minivans, viel weiter vorne hätte beginnen können. Das Model X will zu viel sein und geht dabei zu viele Kompromisse ein.
Fiat
Eine erfreuliche Neuerung bietet Fiat mit Modellnamen ausserhalb der Zahl 500. Nur für die Schweiz und Deutschland wird dabei der Name Tipo wieder zum Leben erweckt, in allen übrigen Ländern heisst er Aegea. Die ziemlich unaufgeregte viertürige Stufenheck-Limousine soll später auch mit Schrägheck und als Kombi angeboten werden.

Umso spannender gibt sich der Fiat 124 Spider und das Abarth-Pendant (Bild: die Rally-Version). Er basiert auf dem Mazda MX-5 und wird ebenfalls im Mazda-Werk in Japan hergestellt. Mit Turbolader liegen 170 PS Leistung drin, was das Auto zusammen mit dem Hinterradantrieb zum richtigen Spassmobil für Italiener-Fans macht.

Amerikaner
Amerikanische Autos haben in Europa eher einen schweren Stand – zumindest solche, die (noch) nicht zu den eingesessenen Marken gehören. Nach seinem letztjährigen Debut am Auto-Salon Genf ist beispielsweise Cadillac dieses Jahr nicht mehr angetreten.
Dafür ist Dodge umso mehr auf dem Vormarsch. Und zurecht! Der Dodge Durango Geländewagen mit seinem durchgehenden Rücklichtlinie, wie wir sie bereits vom Dodge Charger kennen, ist immer häufiger auf den Schweizer Strassen anzutreffen. Auch der Dodge Challenger (Bild) ist grossartig gelungen.

Der Retro-Muscle Car von Chevrolet hingegen ist bei der Weiterentwicklung seines Designs falsch abgebogen. Der neue Camaro sieht aus wie eine zu stark geliftete alte Dame.

Auch bei der Corvette (Bild) kommt den Autodesigners nichts spannendes mehr in den Sinn. Zugegeben, die Rückseite kann sich sehen lassen! Vorne fehlt hingegen immer mehr der Wow-Faktor.

Zu den übrigen Teilen dieser Berichterstattung über den Auto-Salon 2016:
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]]>Das Tesla Service Center in Bern
Tesla fasst Fuss in Bern. Das neue Service Center am Zentweg 1a in Bern, in unmittelbarer Nähe zur Autobahnausfahrt Bern-Wankdorf gelegen, wurde am 7. Januar 2016 eröffnet. Und ist riesig! Neben dem Showroom sind sechs Lifte installiert, die auch für die Zukunft gebaut sind: Mittlerweile sind über 2’000 Tesla auf den Schweizer Strassen unterwegs. Und jedes Jahr verdoppeln sich die Verkaufszahlen.


Das Interesse an Tesla ist riesig. An der Eröffnungsfeier ist das ganze Quartier zuparkiert – hauptsächlich mit Teslas natürlich. Sie hätten vielleicht mit 150 Leuten gerechnet, meint Store Manager Stefan Gygli. Gekommen sind viel mehr. Er stellt das Team vor und versichert: „Jeder von uns ist ein grosser Fan.“

Das war auch im Gespräch mit den einzelnen Mitarbeitern deutlich zu spüren. Sie standen den ganzen Abend lang rund um die beiden Anziehungspunkte für Fragen bereit: Ein hochgehobener weisser P90D mit erweiterter Reichweite (aber ohne die Ludicrous-Option) erlaubt einen seltenen Blick auf die Unterseite des Fahrzeugs mit der riesigen Schutzplatte zwischen der Vorder- und der Hinterachse, welche die Batterien schützt. Und einen „Danger, High Voltage“-Aufkleber.

Beim schwarzen Tesla P85D ist die Abdeckung im vorderen Motorraum entfernt. Unglaublich, wie viele Kabel und Schläuche hier durchführen! Auf den ersten Blick überrascht die klassische Autobatterie, die bei Benzinern den Elektromotor antreibt, um den Verbrennungsmotor zu starten. Hier erfüllt sie einfach die übrigen Aufgaben einer Autobatterie und versorgt Stromverbraucher wie Klimaanlage oder Sitzheizung.

Nun tritt der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät ans Mikrofon. Er sei schon lange ein Fan der Elektro-Mobilität: „Ich han scho aus Chind es elektrischs Zahnbürschteli gha.“ Er freut sich sehr, dass Tesla nun auch in Bern präsent ist: „Jetzt händs ändlich gmerkt wo d Poscht abgeit!“

Danach schneiden er und die Tesla-Verantwortlichen gemeinsam das Band durch, um das Service Center offiziell zu eröffnen – Tschäppät mit der Mini-Schere seines Sackmessers.

Und die Zeit reicht sogar noch für ein Selfie mit dem Stapi. :-)

Der Tesla Supercharger in Rubigen
Ende November 2015 wurden zwei neue Schweizer Supercharger-Standorte in Pratteln (Nähe Basel) und Rubigen (Nähe Bern) eröffnet. Wie alle bisherigen Standorte liegen auch diese strategisch günstig und ganz in der Nähe der Autobahn: In Pratteln kann nochmals volltanken, wer die Schweiz in Richtung Deutschland (Freiburg i.Br., Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt a.M.) oder Frankreich (Mulhouse, Strasbourg, Besançon, Dijon) verlässt, oder wer von dort her kommend in der Schweiz eintrifft, noch bevor sich die Autobahn nach überallhin in der Schweiz verzweigt. Rubigen liegt am Eingang zum Berner Oberland und auf dem Weg in Richtung Wallis. Pratteln und Rubigen sind die Schweizer Supercharger-Standorte Nummern Neun und Zehn. Neben den Supercharger-Stationen sind auch „normale“ Tesla-Wandstationen an Orten wie Einkaufszentren geplant, die ein häufiges Ziel sind und an denen Tesla-Fahrer eine gewisse Zeit verbringen.
Als ich am vergangenen Sonntagnachmittag auf dem Parkplatz der Mühle Hunziken in Rubigen vorfahre, um den neuen Supercharger zu bestaunen, stehen tatsächlich zwei Tesla Modell S an den insgesamt sechs Zapfsäulen und tanken Strom (übrigens: kostenlos). Ein freundlicher Zürcher ist ganz begeistert: „Ich würde nie mehr auf einen Benziner wechseln.“ Er fährt das Spitzenmodell P85D, das ich im vergangenen Sommer Probe gefahren bin. Das Tanken erledige er eigentlich nur an den Superchargern, die mittlerweile recht gut überall in der Schweiz verteilt sind. Er erzählt, dass bis vor ein paar Minuten noch zwei weitere Teslas hier getankt hatten. Ich bin begeistert! Denn ich war davon ausgegangen, hier nur verwaiste Zapfsäulen vorzufinden. Der Akku des Zürchers ist nun wieder voll und er muss los. Er ist unterwegs zum Autoverlad ins Wallis und muss seinen Zug erwischen. Gute Fahrt!


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Ich freue mich extrem, dass ich in meinem ersten Fahrbericht auf Petrolhead.ch ein reines Elektroauto vorstellen darf – also eins, das komplett ohne „Petrol“ auskommt. Elektroautos sind die Zukunft: Sie werden auch noch auf den Strassen unterwegs sein, wenn die nicht unbegrenzt vorhandenen fossilen Brennstoffe tatsächlich einmal aufgebraucht sind. Das Model S macht Hoffnung auf diese Zukunft. Es beweist, dass Elektroautos schön, schnell UND alltagstauglich sein können.
Schon der erste Blick auf den Tesla macht Lust auf mehr. Die sportlich-elegante Karosserie des Model S erinnert an einen Jaguar oder Maserati. Die geschwungenen Linien setzen sich im Innenraum fort. So sind beispielsweise die Türgriffe nur eine kurvige Ausbuchtung der Türverkleidung. Im Fahrersitz fühlt man sich sofort gut aufgehoben. Er ist anschmiegsam und bietet viel Seitenhalt. Sofort fällt der grosse Bildschirm (17 Zoll) zwischen Fahrer- und Beifahrersitz auf. Über ihn lässt sich alles steuern, zum Beispiel wie weit sich das grosse Dachfenster öffnen soll oder die Höhe der Luftfederung (gegen Aufpreis).

Tesla Supercharger
Dank einer SIM-Karte (Gebühren inklusive Roaming während vier Jahren inbegriffen) können Internetseiten und Google Maps aufgerufen werden, um Fahrstrecken zu planen (für die sichere Navigation ist ausserdem ein GPS-Modul vorhanden) und Staus erkennen und umfahren zu können. Wird die Akkuladung für die gesamte Strecke knapp, plant das Auto automatisch einen Zwischenhalt an einer Tesla Supercharger-Station ein.
Zurzeit gibt es in der Schweiz sieben dieser Schnelllade-Stationen in Beckenried (nähe Luzern), Egerkingen, Lully (Neuenburgersee), Maienfeld (nähe Chur), Martigny (Wallis), Monte Ceneri (Tessin), und St. Moritz. Eine weitere gibt es in Genf (jedoch gerade noch auf französischem Boden) und eine neue Station bei der Mühle Hunziken (nähe Bern) wurde soeben angekündigt. Hier wird die Batterie pro zehn Minuten Ladezeit ungefähr um 100 km aufgeladen. Die Aufladung an den Supercharger-Stationen ist kostenlos. Weltweit existieren bald 2’000 solcher Tankstellen mit durchschnittlich vier Anschlüssen.

Noch schneller wird das „Tanken“ mit den neuen Battery Swap Stationen gehen, von denen Ende 2014 in den USA die erste eröffnet wurde. In knapp drei Minuten wird das komplette Akku-Paket im Unterboden ausgetauscht, was ungefähr so viel wie eine herkömmliche Tankfüllung kosten wird. Auf Wunsch erhält man dann auf dem Rückweg der Reise wieder die eigene Batterie, in der Zwischenzeit wieder voll aufgeladen, eingebaut. Mit der 85 kWh-Batterie (das „85“ im Namen) können dann weitere 500 Kilometer gefahren werden.
Auf die inneren Werte kommt’s an!
Neben dem grossen Bildschirm ist der Innenraum sehr minimalistisch gehalten. Ausser einem zweiten Bildschirm hinter dem Lenkrad und den Lüftungsschlitzen gibt es gerade mal zwei Knöpfe am Armaturenbrett: einen für den Warnblinker und einen, um das Handschuhfach zu öffnen. Und es wird noch besser: Der Antriebsstrang ist nicht nur minimal, sondern fehlt dank des elektrischen Antriebs komplett. Vorne gibt’s an seiner Stelle ein grosses Ablagefach und hinten durchgehende Beinfreiheit.

Dafür hat der P85D sonstwo mehr: beim Motor. Der Allradantrieb dank Dual-Motor (das „D“ im Namen: ein Motor für die Vorderräder und einer für die Hinterräder) gehört mittlerweile zur Grundausstattung fast aller S-Modelle. Schon alleine der Frontmotor leistet mit 224 PS mehr als die meisten Benziner unter der Haube haben. Er steckt in der Nische des vorderen Stauraums, wobei aber nicht viel Platz verloren geht. Der auf Hochleistung gezüchtete Heckmotor ist mehr als doppelt so stark wie sein Kollege vorne. Die gemeinsame Kraft steht jederzeit zur Verfügung. Es ist nicht wie bei anderen nötig, das Auto zuerst darauf vorzubereiten, alle möglichen Knöpfe zu drücken und Einstellungen anzupassen, um einen Blitzstart hinzulegen. In 3,3 Sekunden von 0-100 km/h schaffen das sowieso nur wenige. Der P85D ist nicht nur das einzige Elektroauto, sondern auch die einzige viertürige Limousine, die so schnell beschleunigt.

(In diesem Tesla Model S gab es noch keinen Frontmotor, dafür eine Ablagenische mit Netz.)
Meine Probefahrt
Diese unglaubliche Beschleunigung möchte ich selbst erleben. Also natürlich nur bis zu den ausserorts erlaubten 80 km/h. Und da bleibt einem wirklich fast die Luft weg. Ich trete das Gaspedal (oder wie man bei Tesla lieber sagt: das Watt-Pedal) durch. Im gleichen Moment drückt es mich in den Sitz, während das Auto mit einem lauten elektrischen Summen wie aus der Pistole geschossen vorwärts schiesst. Das Ganze geschieht vollkommen mühelos und wie wenn es das Normalste der Welt wäre. Die Reifen quietschen nicht, das Auto zieht weder nach links noch nach rechts. Mir fällt sofort die Rock ’n‘ Roller Coaster Achterbahn im Disneyland Paris ein. Eine solche Beschleunigung habe ich bisher nur auf dieser erlebt. Im Tesla wäre es so weitergegangen bis zur elektronisch abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h, wenn ich den Fuss nicht wieder vom Gas genommen hätte.
Auch sonst fährt sich das Model S grossartig. Die Batterien im Unterboden sorgen für einen extrem tiefen Schwerpunkt. Dadurch liegt das Auto in Kurven wunderbar auf der Strasse. Auch Kreiseldurchfahrten und Kurven fühlen sich an wie im Sportwagen. Trotz seines Gewichts von über zwei Tonnen neigt sich der Tesla kein bisschen zur Seite und macht jedes Manöver mit, ohne auch nur einen Bruchteil seiner Eleganz zu verlieren. Er ist Usain Bolt im dunklen Anzug.
Das ist anders als beim Benziner
Beim Tesla gibt es zwei grundlegende Unterschiede zu herkömmlichen Autos – und beide sind grossartig:
1. Das direkte Ansprechen: Gebe ich Gas, gibt das Auto Gas. Es braucht kein Herunterschalten, um genügend Kraft fürs Beschleunigen zu erhalten. Die volle Leistung steht immer und völlig verzögerungsfrei zur Verfügung. Umgekehrt geht die Geschwindigkeit auch schnell zurück, wenn ich den Fuss vom Gas nehme. Dabei wird übrigens Energie zurückgewonnen. Wen das stört, kann einen tieferen Rekuperations-Modus auswählen, mit dem das Auto konventioneller ausläuft.
2. Das Gaspedal: Während bei den aktuellen Gangschaltungen mit sechs, sieben, acht oder neun Gängen die Drehzahl nach dem Hochschalten immer wieder tief ist und das Gas entsprechend weniger durchgedrückt werden muss, gibt’s im Tesla nur einen einzigen Vorwärtsgang. Das Auto fährt also wirklich schneller oder langsamer, je mehr oder weniger ich das Gaspedal durchdrücke. Eine besonders schnelle Fahrt verlangt ein besonders stark gedrücktes Pedal. Das ist ungewohnt anders.

Daneben sind beim Tesla die laufenden Kosten tiefer. Der Elektroantrieb ist wartungsfrei, so dass nur Reifen und Bremsen kontrolliert und bei Bedarf ersetzt werden müssen. In vielen Kantonen muss – zumindest während einer gewissen Zeit – keine Strassenverkehrsgebühr bezahlt werden und gewisse Motorfahrzeugversicherungen geben Rabatte. Und man muss nicht mehr fürs Benzin bezahlen. Fortschrittliche Arbeitgeber haben Ladestationen und zur Not kann der Tesla auch über eine normale Steckdose geladen werden. Der Kaufpreis von gut 100’000 Franken (das Basismodell kostet 73’100 Franken) rechnet sich also bald.
Die Zukunft kommt per Update
Regelmässige Updates sorgen für ständig neue Funktionen. Seit meiner ersten Fahrt in einem Tesla Model S wurden beispielsweise Führungslinien zur Rückfahrkamera hinzugefügt, so dass nun auch klar ist, wohin man genau rückwärts fährt. Mit den bereits jetzt rundum angebrachten Kameras ist autonomes Fahren völlig ohne Mensch am Steuer möglich… und kommt voraussichtlich mit dem übernächsten Update im Sommer/Herbst 2015. Zumindest, um zu Hause schon mal aus der Garage zu fahren und den Innenraum auf die bevorzugte Temperatur zu kühlen oder zu heizen, bis man den Kaffee getrunken hat und bereit ist für den Arbeitsweg.

Nach dem Model S kommt schon bald das Model X, eine Mischung aus SUV und Minivan, dessen hintere Türen sich nach oben öffnen. Danach folgt das Model 3, ein preisgünstigeres Auto in der Grösse des Audi A4 für die breite Bevölkerung.
Und Firmenchef Elon Musk plant noch mehr: Über Twitter hat er eine „bedeutende neue Produktelinie – kein Auto“ angekündigt (übrigens für Ende dieses Monats). Danach stieg der Aktienkurs von Tesla um 900 Millionen US-Dollar. Ich vermute mal, dass es sich um eine Superbatterie handelt, zum Beispiel für die Notstromversorgung kleinerer Unternehmen oder als Stromspeicher für Wohnhäuser, der entweder über Solarzellen oder den günstigen Nachtstrom aufgeladen wird.

Vielen Dank, Tesla, für die Probefahrt! Zur Webseite von Tesla: www.teslamotors.com/de_CH. Lest unbedingt auch die Antworten auf die vier häufigsten Fragen: Wie weit kann ich fahren? Wie lange dauert das Aufladen? Wie gehe ich auf grosse Fahrt? Wie viel kann ich sparen?
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