Ich als Petrolhead kaufe ein Elektroauto

Meine Frau und ich kaufen ein neues Auto, und gehen mit der Zeit: Es ist ein Elektroauto. Für mich ist das kein Widerspruch. Als Petrolhead habe ich Freude an schönen und schnellen Autos. Ob sie nun mit «Petrol», als mit Benzin angetrieben werden oder nicht, spielt für mich keine Rolle. «Petrolhead» ist einfach die englische Bezeichnung für Autofan. In diesem Blogbeitrag und meinem Video nehme ich Euch mit auf unserem Weg vom Kaufentscheid über das Einlösen, Abholen und Folieren und berichte von unseren Eindrücken nach vier Monaten elektrischem Fahren.

Pro Kalenderjahr fahren wir rund 18’000 Kilometer. Somit verbrauchen wir 2’160 Liter Benzin und stossen beim Fahren 3,25 Tonnen CO2 und weitere Schadstoffe aus – und zwar jedes Jahr. Benzin wird in Raffinerien aus Erdöl hergestellt, einem fossilen Energieträger, der nicht nachwächst und irgendwann aufgebraucht sein wird. Und das ausgestossene CO2 ist doppelt so schwer wie das Auto selbst.

In der Schweiz sind 4.72 Millionen Personenwagen zum Verkehr zugelassen. Wenn jedes dieser Autos nur halb so viel Benzin verbraucht und halb so viel CO2 generiert wie unser SUV, und auch nur halb so viele Kilometer pro Jahr zurücklegt, dann werden trotzdem insgesamt 2.5 Milliarden Liter Benzin verbraucht und 3.8 Millionen Tonnen CO2 ausgestossen. Und das nur in der Schweiz und pro Jahr. Man braucht weder Klimaaktivist noch Grüner zu sein, um das völlig verrückt oder zumindest sehr bedenklich zu finden. Und zu realisieren, dass sich da etwas ändern muss.

Für meine Frau und mich stand deshalb schon seit ein paar Jahren fest: Wir möchten zukünftig lieber elektrisch fahren. Aber welches Auto? Seit meiner ersten Probefahrt in einem Tesla Model S im 2015 sind es schon acht Jahre her. Und ganz in unserer Nähe befindet sich das Tesla Service Center Bern, das im Jahr 2016 eröffnet wurde. Doch die drei Tesla-Modelle S, X und 3 kamen für uns nicht infrage – zu gross, zu teuer, zu unpraktisch.

Viele Probefahrten

Das trifft auch auf die meisten anderen Elektroautos zu, die ich seither ausprobiert habe – vom kleinen Microlino bis zum grossen VW ID.Buzz. Dass sich weder der eine noch der andere für unsere Zwecke eignet, wussten wir schon im Voraus. Aber Spass gemacht haben die Probefahrten trotzdem.

Eine grosse Hilfe war die Seeland E-Mobilitäts-Show SEMS in Lyss (zwischen Bern und Biel). Dank der Unterstützung der lokalen Markenvertreter kann man dort in die meisten aktuellen Elektroautos hineinsitzen und den Kofferraum öffnen – zwei extrem wichtige Kriterien für den Kauf eines neuen Autos. Die Garagen-Teams stehen für fachkundige Auskünfte zur Verfügung. Und einige der Elektroautos und Elektromotorräder können gleich kostenlos ausprobiert werden. Auf dem Parkplatz herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Hier machen Interessierte je nach Vorliebe im Honda E und Peugeot e-208, oder auch in einem grossen Mercedes-SUV oder im Porsche Taycan eine Spritztour. Neben den Autos betreiben auch Anbieter von Photovoltaik-Anlagen oder Ladestationen Stände. Beides geht oft Hand in Hand mit dem Kauf eines Elektroautos.

Die nächste SEMS in Lyss findet am 26. August 2023 statt. Wer in den nächsten Jahren ein Elektroauto kaufen möchte, schaut am besten vorbei. Mehr Informationen stehen unter www.sems-lyss.ch bereit. Zum ersten Mal ist auch Tesla offiziell mit dabei. Ich empfehle, früh einzutreffen, um eine Probefahrt zu reservieren (Kärtchen mit dem Auto und der Uhrzeit mitnehmen). Beliebte Fahrzeuge sind rasch ausgebucht. Für die Probefahrten ist eine Registrierung erforderlich, die mit dem Smartphone durchgeführt werden kann.

Das richtige Auto für uns

Uns hat lange Zeit kein Elektroauto so richtig überzeugt. Bis Tesla das Model Y vorgestellt hat. Das sah wirklich vielversprechend aus in Bezug auf Grösse, Platz, Preis… und Power. Am 27. August 2021 haben wir gleich eine Probefahrt gemacht, direkt nach dem Eintreffen des ersten Fahrzeugs in Bern, und am 25. Februar 2022 eine weitere. Unser Gefühl hat uns nicht getäuscht: Das ist das perfekte Auto für uns.

Bestellt haben wir dann aber doch noch nicht gleich. Denn was nützt uns ein Elektroauto, wenn wir es nicht aufladen können? Wir wohnen zwar in einer Überbauung, die erst vor zehn Jahren gebaut wurde. Aber trotzdem fehlt eine Lademöglichkeit in der Einstellhalle. Beim Bau wurden noch nicht mal Vorkehrungen dafür getroffen, z.B. Leerrohre vom Stromverteiler zur Einstellhalle.

Wir haben also die Verwaltung kontaktiert, und offene Türen eingerannt: Sie seien bereits dabei, die Installation einer Ladeinfrastruktur abzuklären. Es sei geplant, alle Parkplätze mit einer Lademöglichkeit auszustatten.

Monate später, nachdem wir wiederholt nachgefragt und darauf hingewiesen haben, dass wir uns ein Elektroauto kaufen möchten, hat die Verwaltung ihre Pläne verworfen. Nicht mehr die ganze Einstellhalle, sondern nur noch 20% der Parkplätze sollen elektrifiziert werden – und nur im anderen Teil der Einstellhalle, nicht bei unserem Parkfeld. Wir dürfen aber selbst etwas organisieren.

Keine Lademöglichkeit

Und das regt mich weiterhin auf: Der Bundesrat und die Behörden wollen zwar, dass die Leute von Autos mit Verbrennungsmotor auf Elektroautos umsteigen, aber nicht so wirklich. Sonst würden sie den Einbau einer Ladeinfrastruktur und den Kauf von Elektroautos finanziell unterstützen sowie rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, um den Leuten ein Recht auf Laden zu geben. Alles davon gibt es im Ausland, aber nicht in der Schweiz. Hierzulande ist man auf sich alleine gestellt und muss auf die Gutmütigkeit des Vermieters hoffen, der mit einem grundlosen Nein die Elektro-Pläne über den Haufen werfen kann. Kein Wunder, dass wir in der Schweiz auch hier zurückliegen.

Endlich sind die Pläne gemacht. Der Elektriker wird ein Kabel von unserem Stromzähler durch unser Kellerabteil bis in die Einstellhalle verlegen. Solange nur wir ein Elektroauto besitzen, reicht der Hausanschluss dafür aus. Bei der Installation wird bereits darauf geachtet, dass später ein Lademanagement-System anschliessbar ist, über das sich alle Parkplätze mit Strom versorgen lassen.

Bestellung nur im Internet

Dann wurde es konkret: In der Altjahreswoche bin ich mit einem Haufen Fragen bei Tesla vorbeigegangen. Und habe gelernt, dass bei Tesla alles ein wenig anders ist wie bei anderen Automarken: Das Auto wird nicht in einer Filiale bestellt, mit Rabatten oder kostenlosen Extras, sondern einzig über das Bestellformular im Internet. So wie man einen Tablet-Computer bestellen würde – nur, dass an diesem Tablet noch vier Räder und jede Menge Drumherum befestigt sind.

Der Bestellprozess ist denkbar einfach. Im Gegensatz zu anderen Herstellern, bei denen unzählige Optionen, Extras und Pakete die Wahl erschweren (und vor allem das Auto mit seinem vermeintlich günstigen «Ab»-Preis verteuern), wählt man bei Tesla aus fünf verschiedenen Karosserie-Farben, zwei verschiedenen Innenraum-Farben und drei Motor- und Batterie-Kombinationen. Alle Extras sind immer mit dabei. Das vereinfacht die Produktion enorm. Tesla kann dadurch auf Vorrat produzieren und nicht erst auf Bestellung, wie andere Hersteller es tun. So beträgt die Wartezeit je nach Bestelldatum zwei Tage (die Autos werden jeweils zum Quartalsende hin ausgeliefert) statt zwei Jahre wie bei gewissen anderen Marken.

Wir haben im Januar bestellt und mussten deshalb bis im März warten. Das mit der Auslieferung zum Quartalsende hin wussten wir damals noch nicht. Und waren deshalb ein wenig überrascht, als sich das voraussichtlich Auslieferungsdatum mehrfach änderte. Zuerst hiess es «Januar – März», dann «unbekannt», dann «April – Mai», und dann ging Mitte März alles ganz schnell: Wir haben ein SMS erhalten mit der Aufforderung, ein Datum für die Abholung auszuwählen. Drei Tage in der nächsten Woche standen zur Verfügung; Mittwoch, Donnerstag oder Freitag.

Selbst einlösen, selbst abholen

Wir haben also einen Tag ausgewählt – Freitag – und eine Uhrzeit. Am Donnerstagmittag traf dann das Zollformular 13.20A per Post ein. Das braucht man, um das Auto einzulösen. Dabei hat das Strassenverkehrsamt in Bern nur bis um 16:00 Uhr geöffnet. Wer keine Zeit hat oder sich das nicht so kurzfristig einrichten kann: Pech gehabt.

Ich habe also früher Feierabend gemacht und bin am Nachmittag an den Schermenweg gefahren. Der Versicherungsnachweis wurde schon elektronisch direkt den Behörden zugestellt. Ich habe eine Nummer gezogen und bin an die Reihe gekommen. Aber nur, um gleich wieder weggewiesen zu werden. Mit dem Zollformular müsse ich zuerst beim Verkehrsprüfzentrum vorbeigehen und es dort kontrollieren zu lassen. Mir kommen Zweifel, ob ich heute wirklich noch zum nötigen Fahrzeugausweis komme.

Aber es reicht doch – aber ganz knapp. Nach rund zehn Minuten Warten erhalte ich das Formular zurück, auf dem nun der Kilometerstand 13 und ein Vermerk «Allgemeinzustand: neuwertig» ergänzt wurden. Damit gehe ich schnellen Schrittes zurück zum anderen Gebäude und habe Glück: Die Nummer, die ich vor dem Gehen noch gezogen habe, ist schon fast an der Reihe. Nun hat die Dame am Schalter keine Einwände mehr und der Fahrzeugausweis wird ausgestellt. Die Eingangstüre ist aber bereits verschlossen, als ich ihn erhalte. Ich muss das Gebäude durch den Hinterausgang verlassen.

Und dann ist der Abholtag gekommen. Während bei anderen Marken die Garagen die Autos abholen und für die Übergabe in die lokale Filiale bringen, muss man das bei Tesla selbst machen. So fahren wir nach Studen, wo die Fahrzeuge per Zug ankommen. Tesla hat zuvor per SMS klargestellt, dass es keine Einführung in das Auto geben wird. «Schauen Sie sich die Videos an», hiess es mehr oder weniger wörtlich.

Und das finde ich wirklich nachvollziehbar.  Während andere Garagen je nach Zulauf ein oder höchstens wenige Neuwagen pro Tag den neuen Besitzerinnen und Besitzern übergibt und sich viel Zeit für den persönlichen Kontakt nimmt, ist das bei Tesla gar nicht möglich. Hier werden Hunderte von Fahrzeugen an einem einzigen Tag abgeholt. Mehr als eine kurze Übergabe der Schlüsselkarte und die Info, auf welchem Standplatz das Auto wartet, ist so gar nicht machbar oder würde ein Vielfaches an Personal benötigen… und die Autos damit gleich verteuern.

Zu dritt sind wir also schon bald um das Auto herumgelaufen. Wir haben die Funktionen überprüft und den Lack und die Spaltmasse kontrolliert. Auszusetzen hatten wir nichts. Unser Model Y Performance wurde in der Gigafactory Grünheide in Berlin gebaut, und damit echte deutsche Wertarbeit. So haben wir uns voller Begeisterung auf die Heimfahrt gemacht.

Praktisch über alles

Da unsere Ladestation erst in der Folgewoche eingebaut wird und wir das Laden am Supercharger sowieso üben müssen, bin ich am Wochenende nach Rubigen gefahren. Und habe schon bald herausgefunden, welches der beiden Kabel zum Anschluss an unserem Auto passt. Das Laden selbst ist unglaublich einfach: eintreffen, einstecken, bis zur gewünschten Ladegrenze laden, ausstecken, wegfahren. Es braucht keine Registrierung beim Eintreffen, kein Abo, kein nichts. Bezahlt wird automatisch über die Kreditkarte, die in der App hinterlegt ist. Und schon ein paar Minuten vor dem Eintreffen beginnt das Auto, die Batterie auf das schnelle Laden vorzubereiten.

Genauso praktisch sind auch das Laden von Software-Updates «over the air» per WLAN, nach denen das Auto immer ein wenig schlauer ist und mehr Funktionen hat als zuvor, und all die automatischen Helfer. Fast alles ist auf Automatik eingestellt. So schaltet sich das Licht und sogar das Fernlicht bei Bedarf automatisch ein und wieder aus. Und die Platzmöglichkeiten im Auto sind unerreicht: Im grossen Kofferraum gibt es Seitentaschen und unter der Abdeckung ein grosses Staufach, das fast bis hinunter zum Boden reicht. Zusätzlich gibt es den Frunk, den vorderen Kofferraum. Darin hat eine grosse Reisetasche locker Platz (unsere hat  gut gefüllt die Masse 60 x 40 x 30 cm).

Viel Platz haben wir auch im Innenraum: Vorne gibt es mehr Beinfreiheit, da es davor keinen grossen Verbrennungsmotor mit seiner ganzen Technik gibt, und auch hinten sitze im mit meinen 183 cm sehr bequem. Ich kann die Beine weit unter den Vordersitz strecken – ähnlich wie im Flugzeug.

Ein bisschen Individualität

Mittlerweile ist das Model Y das am meisten verkaufte Auto. Und zwar nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit. Was wirklich sehr eindrücklich ist und belegt, dass es nicht nur für uns, sondern für viele andere Leute auch das perfekte Auto ist. Für uns stand deshalb von Anfang an fest, dass LucY, so heisst unser Tesla, eine individuelle Farbe erhalten soll.

Der Tag der offenen Türe bei Zooki Performance in Belp hatte uns überzeugt: Hier lassen wir uns Auto folieren. Der kleine Betrieb ist auf Teslas spezialisiert und weiss genau, wie er das Auto auseinandernehmen (und vor allem: wieder zusammenbauen!!) muss. Inhaber und Geschäftsführer Zoran Drincic fährt selbst ein Model Y. Er hat uns schon vor der Bestellung den entscheidenden Tipp gegeben: Bestellt ein schwarzes Auto, auch wenn dafür ein Aufpreis gezahlt werden muss. So erscheint das folierte Auto mit seinen dunklen Dichtungen und Abdeckungen beim Öffnen der Türen und des Kofferraums trotzdem nur zwei- statt dreifarbig.

Wir schauen mehrere Farbfächer durch, bis wir uns für eine Folie entscheiden. Und sind mit dem Resultat sehr zufrieden, also wir LucY nach einer knappen Woche wieder abholen können. Seit meinem ersten Auto zieht sich die hellblaue Farbe durch mein Leben. Hier darf sie nun ruhig ein wenig kräftiger sein, um selbstbewusster und erwachsener zu wirken als der eher pastellige Farbton bei meinem Peugeot 205 GTI. Der war nicht foliert, sondern umlackiert. Die Folie ist weniger permanent und schützt gleichzeitig den Original-Lack. Wir freuen uns bei der Enthüllung riesig.

Zu Hause laden

Endlich ist auch die Ladestation eingebaut! Unser Elektriker musste lange auf eine Auskunft des Stromunternehmens warten. Auch da hat man das Gefühl, die Elektromobilität sei gestern erst erfunden worden. Es kann doch nicht sein, dass man darauf monatelang warten muss.

Wir freuen uns sehr, dass LucY nun auch zu Hause laden kann. Normalerweise stecken wir es über Nacht ein, genauso wie wir auch das Smartphone oder die Smartwatch laden, während wir schlafen. So steht uns jeden Morgen eine Reichweite von 430 Kilometern zur Verfügung, oder 477 Kilometer, wenn wir die Batterie zu 100% laden. Das machen wir aber nur vor langen Reisen. Nur auf 90% zu laden schont die Batterie. Neuerdings empfiehlt Tesla sogar nur 80%, was mit 383 Kilometern aber immer für den Alltag reicht.

Unsere Zaptec-Ladestation eignet sich für eigentlich alle Elektroautos und kann deshalb auch bei den übrigen Parkplätzen unserer Einstellhalle eingebaut werden. Wenn es soweit ist, kommunizieren sie drahtlos miteinander und melden den Verbrauch über das Internet. Aufladen können natürlich nur wir: Jede Ladestation hat ihren eigenen Badge, mit dem der Ladevorgang gestartet werden kann.

Nach England und zurück

Mittlerweile fahren wir seit vier Monaten elektrisch und möchten auf keinen Fall mehr zurück zum Verbrenner. Auch die Reise nach England war ein tolles Erlebnis. Wir waren auf der Fahrt durch Frankreich zwar eine Stunde länger unterwegs, sind aber viel entspannter angekommen. Denn wir haben die Ladepausen dazu benutzt, gemütlich die Toilette zu benutzen, etwas zu essen… und generell um etwas Anderes zu machen, als konzentriert auf die Strasse zu schauen.

Dass eine Batterieladung für die 1’000 Kilometer durch Frankreich nicht reicht, war uns von Anfang an klar. «Ich kann 1’200 Kilometer mit meinem sparsamen Diesel fahren», hat mir mal jemand auf Twitter geschrieben. Als ich ihn gefragt habe, wie oft er das denn am Stück fahre, hat er nicht mehr geantwortet. Wohl nie. Und schon gar nicht ohne Pinkelpause. Und genau deswegen ist das Argument auch keines, und die Reichweitenangst völlig unbegründet. Das Auto hat die Fahrt selbstständig geplant und uns in Frankreich zweimal zu einem Supercharger gelotst. Klar, es kennt schliesslich den Standort aller Ladestationen von Tesla und viele von anderen Anbietern. Und wir haben gemerkt: LucY nimmt lieber den kürzeren, direkteren Weg und führt uns über Autostrassen und Überlandstrassen, statt auf der Bezahl-Autobahn weite Kurven zu fahren und dabei Fahrkilometer zu verschwenden. Und das macht Sinn! Denn so wird Energie gespart, und erst noch das Geld für die Mautgebühren. Eindrücklich!

Auch in England war Laden nie ein Problem. Wir hätten unsere Reise aber nicht in einem anderen Auto machen wollen als einem Tesla. Denn mehr als einmal haben wir defekte Ladestationen in der Nähe von funktionierenden Superchargern angetroffen. Und als wir aus Interesse mal in einem Einkaufszentrum eine andere Ladesäulen ausprobieren wollten, war das nicht möglich: Die dafür benötigte Smartphone-App ist geoblocked und kann nur im englischen App Store heruntergeladen werden. Auf unseren Telefonen mit dem Schweizer App Store ist sie deshalb nicht einmal auffindbar.

Ausser den tieferen Mautgebühren haben wir aber auch sonst gespart: Wir sind auf unserer Reise 3’981 Kilometer gefahren und hätten mit unserem SUV Benzin für rund 812 CHF verbraucht. Für das Laden an den Superchargern haben wir hingegen nur 332 CHF bezahlt. Und das Aufladen zu Hause ist noch viel günstiger.

Angenehmes Fahren

Auf der Autobahn habe ich öfters mal LucY selbst fahren lassen. Mit dem erweiterten Autopilot hält das Auto selbst die Spur, bremst ab und gibt Gas bis zur Höchstgeschwindigkeit. Das klappt soweit sehr gut und das Auto lernt auch dazu. Ein Problem sind höchstens andere Autofahrende: Drückt sich jemand allzu nahe vor uns in unseren Sicherheitsabstand, bremst LucY auch mal stark. Auch ohne eingeschaltetem Autopilot hilft LucY beim Bremsen, zum Beispiel wenn sich der Verkehr vor uns plötzlich staut. Es warnt auch, wenn eine Kollision droht, zum Beispiel als ein entgegenkommendes Auto allzu knapp vor uns abgebogen ist und plötzlich quer vor uns stand.

Beim Fahren haben wir unterschiedliche Präferenzen. Während ich auf der Überholspur lieber eher links von der Mitte fahre, um mehr Abstand zu den Autos auf der Normalspur zu halten, fährt LucY lieber eher rechts der Mitte. Während ich in Kurven auf der Autobahn eher an der Innenseite fahre, fährt LucY lieber entlang der Aussenseite. Weil ich aber sowieso die Hände am Lenkrad behalte, kann ich da auch mal eingreifen und wieder selbst die Kontrolle übernehmen, und in Baustellen mit vielen verschiedenfarbigen Markierungen auf der Fahrbahn sowieso.

Den grossen Bildschirm haben wir sehr schnell lieben gelernt. Dass die Geschwindigkeit in der Ecke oben links angezeigt wird und nicht direkt vor mir, daran gewöhnt man sich schnell. Entgegen den gängigen Vermutungen muss man während dem Fahren nicht ständig am Bildschirm herumdrücken. Wieso auch? Das Auto macht vieles automatisch, und für alles gibt es Sprachbefehle. Der Bildschirm zeigt ein Satellitenbild des eigenen Standorts und die Strecke beim Navigieren an. Dank der Grösse ist viel besser erkennbar, was weiter vorne bevorsteht. Entsprechend kann man sich auf mehrspurigen Strassen dann schon mal links oder rechts einordnen, um weiter vorne fürs Abbiegen auf der richtigen Spur zu sein. Apropos Spur: LucY zeigt verlässlicher als unsere bisherige TomTom-App, auf welcher man fahren soll. Nur dank dem Satellitenbild auf dem grossen Bildschirm konnten wir im Stau auf der Rückfahrt rasch eine alternative Route finden, die später wieder zur vorgesehenen Strecke zurückführt, und den Stau umfahren.

Wenig Kritik

Auf unserer ersten Ferienreise mit LucY haben wir das Auto ziemlich gut kennengelernt. Und haben nur wenig Kritik:

Autopilot und Tempomat «sehen» dank der Kamera beim Innenrückspiegel. Ist die Frontscheibe verschmutzt und die Kamera-Sicht nicht mehr perfekt, zum Beispiel nach ein paar Hundert Kilometern Autobahnfahrt mit vielen Insekten, schaltet sich der Scheibenwischer ein, um die Kamera-Sicht zu verbessern. Und hört dann nicht mehr auf. Denn das trockene Scheibengewische macht alles nur noch viel schlimmer. Entweder muss man nun Autopilot und Tempomat für den Rest der Fahrt deaktivieren, oder anhalten und die Scheibe von Hand reinigen.

Und trotz den sechs Kameras rund um das Auto herum gelingt es Tesla nicht, die Vorderräder auf dem Bildschirm anzuzeigen. Das wäre hilfreich, um beim Einparkieren Randstein-Rempler mit dem rechten Vorderrad zu vermeiden. Denn die Felge steht so weit heraus, dass sie bei der geringsten Berührung schrecklich zerkratzt wird. Elon, bitte beides beim nächsten Update korrigieren!

Apropos Elon Musk als CEO von Tesla: Wir sind definitiv keine Fans.

Dieses Argument müsste jeden Petrolhead überzeugen

Neben der Kritik haben wir aber noch mehr Lob. Mit LucY fahre ich viel flüssiger, weil das Auto viel direkter reagiert. Gehe ich vom Gas, verzögert es sofort – und zwar mehr oder weniger stark, abhängig davon, wie fest mein Druck aufs Gaspedal nachlässt. Die Bremse braucht man kaum mehr. Und wenn ich wieder Gas gebe, steht immer die volle Kraft bereit. Ein Runterschalten, um die Drehzahl zu erhöhen, ist hier überflüssig. Und die volle Kraft kann sich wirklich sehen lassen! Unser Model Y Performance verfügt über 534 PS und kann damit in 3.7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen. Viele Verbrenner können da nicht mithalten. Und dabei ist das Model Y erst noch das langsamste der vier Tesla-Modelle! Dieses Argument hat mich schon bei meiner ersten Probefahrt mit einem Tesla vor acht Jahren überzeugt.

Wir fahren gerne elektrisch. Die Reichweitenangst mancher Leute und schlecht gemeinte Vorurteile sind unbegründet: Unsere Reise nach und durch England hat uns bewiesen, dass auch lange Fahrten mit einem Tesla kein Problem sind. Und kurze Fahrten durch die Schweiz sowieso nicht.

Und wir sehen, wie stark sich Tesla bemüht, die Kosten tief zu halten, und die Ersparnisse an die Kundschaft weiterzugeben. Kurz nach unserer Bestellung hat Tesla die Preise für seine Autos je nach Modell um mehrere Tausend Franken gesenkt. Und liess uns ebenfalls von der Preissenkung profitieren.

Wie gesagt: Für uns ist das Model Y genau das richtige Auto. Für andere mag es ein anderes Elektroauto sein, oder weiterhin ein Auto mit Verbrennungsmotor. Wichtig ist es, offen für Neues zu sein und sich nicht von unbegründeter Angst oder noch unbegründeteren Vorurteilen davon abhalten zu lassen, den Wechsel zu wagen. Je mehr Elektroautos auf den Schweizer Strassen unterwegs sind, desto besser für alle: Denn so gehen den Leuten, die Autos und individuelle Mobilität bekämpfen, immer mehr Argumente aus. Verzweifelt versuchen sie ja mancherorts, Motorenlärm und Abgas als Argumente für tiefere Tempolimits und andere Einschränkungen zu nutzen, so lange das noch geht. Freut Euch also über Elektroautos – ob Ihr nun selbst eines fährt oder nicht.

Permalink zu diesem Beitrag: https://ptrl.ch/evkauf

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